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bruno.mayer40@gmail.com Information Kommunikation Motivation Kunst Natur Historie Wanderung
Den Freunden Friedolin, Mike und Stefan den Autoren zum Gedaechtnis
     
20180920Autoren 2011 Vorbei die karge Winterzeit Die Reben stehen voll in Saft Am Wege Man muss es einmal erleben Vermaechtnis 08 Janusgesicht Menschhorn 03 2008 +Stefan Memory 11  +Michael Bleier Bergschuhe Du, der du wecktest den Gesang 01
Litera Schwarzatal Michael Fridolin Stefan Inhalt
LITERATURKREIS SCHWARZATAL 20Jahre Lesungen In eigerner Sache Sonnenaufgang nach einer naechtlichen Wanderung
   Fridolin 1910 - 2006
  
  
  
JUBILAEUMSLESUNG 20 JAHRE LITERATURKREIS SCHWARZATAL 20050625
LESUNGEN  
Hildegard Albert
Grossmutters Rosen
Valerie Allitsch Tiefenbacher Die Enkelin und der Birkhohn
Maria Auer Maler und Poet
+Michael Bleier^ Traeumerei
Ingrid Brandstaetter Maiandacht
Maria Gaber> Pflanzen  und Schlaflos
Johann Gloggnitzer Die Gicht
+Poldi Goelles-Petrak> Der Autofahrer
Helena Gwozdz Fruehjahrsputz und Stammgast
Josefa Juva> Vorzueglich
Felix Kerl An den Literaturkreis
Ingrid Koch Mein Sonnwendstein
Kurt Koessner Der Wickerl und A Haeuserl am Himmel
Johann Kriegler Des Baechleins Rauschen, und Die rechte Wahl
Christine Lind Die neue Haarfarbe
> Sonnenaufgang (abgesagt)
Fridolin Menschhorn^ Sommermorgen, Gertrude Scholz Bassenatrotsch
Emmy Metzger Gib uns unser taegliches Brot (Gruenderin des  Literaturkreises)
Ruppert Poelzlbauer> Hobbyfotograf und Schmetterling
Heidi Prueger Der Lindenbaum
Liselotte Schmidt Die Wiese und Du, Maulwurf
Johann Schoergl Die Ewigkeit der Sterne und Mein Himmel auf Erden
Edith Schwaiger Eine Hand voll Erde und Der Wanderer
 
In eigener Sache
  Meine letzte Anwesenheit im Literaturkreis war bei der Michael ^ Gedenklesung und dem Begraebnis von Poldi Goelles Petrak >. Eigentlich bin ich nun ein immer mehr aussen Stehender, der im Literaturkreis nicht mehr aktiv mitarbeitet, so habe ich auch erst im Zuge dieser Lesung den Tod meines Freundes Fridolin ^ erfahren. Die Ungebundenheit des Ruhestandes ist auch ein Freiraum zum staendigen Aufenthaltswechsel, den ich im Wettlauf mit der Zeit ausschoepfe. Bei meiner spontanen Erscheinung rechnete ich nicht damit, dass auch meine Wenigkeit auf dem Programm stehen wuerde. Eine Lesung ist nun einmal eine Lesung und kein muendlicher Vortrag deshalb ersuchte ich Ruppert mich abzusetzen und bringe nun diesen Text schriftlich nach. Herzlichen Dank dem Literaturkreis und der Literatur freundlichen Gemeinde Payerbach. In Verbundenheit mit besten Gruessen >
 
SONNENAUFGANG nach einer Wanderung
  Viele naechtliche Aufstiege haben mich, im Verlaufe der Jahrzehnte, auf Berges Hoehen gebracht. Ich machte sie gerne, denn sie haben meine Wanderungen in den mir unersetzlich gewordenen Gebirge verlaengert. Manchmal habe ich auch lange Talwanderungen unternommen um einsamen Erhebungen naeher zu kommen, aber nie empfand ich als Einzelgaenger eine Spur von Langeweile.
  Das Rauschen eines Baches oder des dunklen Waldes, in der naechtlichen Stille melodisch klingend, bald mit sanften, bald mit machtvolleren Toenen begleitete mich. Im Schein der Sterne oder bei dem hinter den Wolken hervorkommenden gleissenden Mondlicht, von den Haengen kam ein versonnenes Fluestern und Murmeln des Quellwassers, da fuehlte ich mich nie allein. Oft war es aber auch das gleichfoermige Schallen eines ausklingenden Regens, im Nebel verhangenen Talboden, mit dem Brausen der angeschwollenen Sturzbaeche. Gerade diese langen Wege, durch Taeler und bei Aufstiegen, vermitteln ein tieferes Naturerlebnis den sie fuehren zu stillen Bergschoenheiten.
  Es ergibt nichts Ergreifendes als das Ende einer Nacht und die Geburt eines Tages am Gipfel eines Berges, von den ersten Anzeichen bis zur Vollendung, mitzuerleben. Es ist ein Zauberereignis der vielfaeltig, in allen ihren Erscheinungen, wandlungsfaehigen Schoepfung. Am verwitterten alten Holzkreuz, auf taufrischer Hoehe treffen die ersten Strahlenpfeile das an die Nacht gewoehnte Auge. Wenn dann die Sonne der lohenden Silhouette des fernen Horizontes entsteigt, fuehlt man die Einzigartigkeit eines jeden Tages im Leben eines Menschen.
Phantasielose bleiben auf der Realitaet sitzen, Phantasievolle suchen und wandern weiter.

FRIDOLIN Ende

VORWORT
  Bei meinem letzten Besuch bei meinem Freund Fridolin, in Doerfl an der Rax, kam es zu Gespraechsmitschnitten. Bei deren Niederschrift wurde ich immer mehr ergriffen von der ausgereiften Qualitaet des Inhaltes. Diese Bewunderung wurde mein Beweggrund die mir zugaenglichen Werke Fridolins zu sammeln, um um sie fuer die Nachwelt zu erhalten. Eine Stunde Tonaufzeichnung fuehrten mich in das erfuellte Leben eines Paedagogen, liessen mich eine tiefsinnige Poesie empfinden und veranschaulichte mir die Quintessenz eines Lebensherbstes.
  Im Literaturkreis Schwarzatal, dem wir beide angehoeren, lernten wir uns kennen. Auch aus den vier erschienen Anthologien dieses Kreises, wurden alle Beitraege Friedolins verwendet. Fuer den zweiten Abschnitt: DAS GEDICHT [im >] wurde das Buch Schreibkunst (Band 1 von Otto Schuhmann) und der Brockhaus, als Sekundaerliteratur zur Ergaenzung verwendet. Immer wenn nach dem Bestellen des Lebensgartens die Bauume ihren Bluetenduft verstroemen, oder wenn man dann im Herbst die goldene Frucht geniesst, verspuert man die Erhabenheit der Schoepfung.
  Dasselbe Gefuehl ergriff mich auch bei einigen Gedichten von Fridolin. Auch feinsinnige Freunde der Poesie werden daran Gefallen finden. Fuer Lyriker wird der zweite Abschnitt ueber die Gedichtformen, die Metrik und die Verslehre von Bedeutung sein. Dem Freunde Fridolin, dem Schirmherr des Wanderer Geschriebenstein wuensche ich, Gesundheit und ein langes Leben, so dass er in seiner Bescheidenheit und Weisheit, noch oft zur Feder greift.
Zeichen des Vergehens

Silberfaeden blitzen auf im Sonnenschein,
Herbstlicher Windhauch laesst sie schweben;
Ein Mueckensch Schwarm zieht darein,
Im Wiesengrund noch emsig Leben.
 
Keiner ahnt das Ende seiner Lust,
Weiss von der Spanne die ihm zugemessen,
Die Duefte reicher in freudevoller Brust,
Nichts fehlt von dem, was er besessen.
 
Mit dumpfen Schlag faellt Obst herab,
Bewahrt des Jahres Sonn und Suesse,
Die linden Tage taenzeln hin im Trab
Und heben leicht auch unsre Fuesse.

Mit Lenau

Tief im Herzen ist es eingegraben
Wofuer Lippen keine Worte haben  Lenau >
schliesse ich Wien am, 10. April 1995

Du, der du tief in der Seele weckest den Gesang,
habe Dank! Du Meister der selbstlosen Guete. -
Mein Wunsch: Dass Dich Gott behuete. Frohe Festtage,
Berg Heil, Berg frei, Glueck auf, ein fruchtbares Schaffen
und  besinnliche Wanderungen 1996.  
>
  DAS WESEN DES GEDICHTES  FRIEDOLIN MENSCHHORN 1910 - 2006
Geb. 1910 in Berndorf - Stadt, wohnhaft in Doerfl (an der Rax), Paedagoge i. R.: erster Preis des YMCA- Wettbewerbes (USA); Veroeffentlichungen im Monatsblatt des Bundes Neuland und in Anthologien des Literaturkreises Schwarzatal, zahlreiche Lesungen. Gestorben in Maria Enzersdorf 2006.
FRIEDOLIN MENSCHHORN WERKSAMMLUNG IM SOMMERGESPRAECH DAS WESEN DES GEDICHTES 1994 QUELLE  DER  WANDERER POESIEZEITSCHRIFT DER GEISTIGEN- UND KOERPERLICHEN BEWEGUNG, ERNST & HEITER AUF ALTEN WEGEN UND NEUEN PFADEN.
1996 Geschriebenstein 13. JG Nr.: 22 S 15.- 16. WWB- Station
 
LYRIK MENSCHHORN
AM WEGE >
 
Noch darf das Licht ich schauen am Wege in dein Licht;
Dir Auferstandnem trauen wir auch noch im Gericht.

DER KREIS IST KLEIN

Der Kreis ist klein, in dem wir gehen,
Doch ist er eine ganze Welt.
Ob Sonne scheint, ob Winde wehen,
Ist eine, die uns wohl gefaellt.
 
So still scheint sie und ist voll Leben,
Gefuellt der Stunden fliehend Zahl.
Wenn Schoenes wir aus Tiefen heben,
Ersteht sie neu uns allemal.
 
Die menschlichen Gebrechen lasten
Auf uns wie jedem Erdenlast,
In unseres Kreises Stille rasten
Wir, bis Er dann unsere Haende fasst.

SUESSES EINGEBORNES KIND

Suesses eingebornes Kind
Dich innig zu lieben bereit wir sind
Du kleine Last lehrest uns Bruder sein
Erloesest alle Liebe die irgendwo in uns schlief.
Sei uns Schluessel auch fuer alles Begegnen hier
Dieser und Jener auch sind wir Bruder in dir.

AUGENBLICK

Augenblick an Augenblick gereiht
Auf lebenslanger Perlenschnur,
Sie reicht zurueck so weit; so weit,
Ist hell und dunkle Lebensspur.
 
Fruehlings helles Leuchten brach oft an,
Umhuellte dich mit Weiss und Blau.
Lust und Freude jeder da gewann,
Wie Gras und Blum den Morgentau.
 
Blueten strahlten, duftend nah und fern,
Im Ohr der Voegel frohe Melodien,
Wer moechte nicht, dass er sie lern,
Um Bienen gleich von Blum zu Blum zu ziehn.
 
Augenblick an Augenblick sich reiht
Auch jetzt, wo du besonnen stehst,
Ist das Ziel schon nah, ist es noch weit,
Zu dem du unaufhaltsam gehst?

ENGEL

Engel! Kuende auch den stillen Geschoepfen
Jenen mit scheuen und fragenden Augen
Die in Einfalt ihr Leben hinbringen
Das Ende ihres Elends.
 
Engel! Im liebenden troestlichen Blick
Zweier in Unmut und Bedraengnis,
Fuehre ihre suchenden Haende zusammen
Und lasse sie nicht vergehen.
 
Engel! Erhellend und beseelend
Fliesse deine Botschaft in ihr Ohr,
Die dir aufgetragen;
Von nun an ist er bei Euch.
 
Immer sind sie da
Auch wenn der Himmel nicht offen
Wenn er nicht strahlt und toent
Einer von ihnen vielleicht deiner
Der das Heil einst verkuendet
Fluestert mit Eifer in dein Ohr
Lenke den Fuss nach diesen Wege
Um das Ziel zu finden.
  Auch der Teufel ist ein abgesprungener Engel. Der Luzifer war ja die naechste groesste Figur nach Gott. Es hat ja sieben Erzengel gegeben und es ist zum Streit der Engel gekommen. Das ist die alte Paradies Geschichte: Wie kommt das Boese in die Welt? Der Luzifer hat geschrien ich bin wie Gott und der Melchior hat geschrien wer ist wie Gott. Er hat sein Schwert gezogen und der Kampf ging los und natuerlich musste der Luzifer verspielen, das wird uns ja noch nach geworfen als eine bloede Philosophie.
  Man fragt sich halt ob der Satan wirklich verspielt hat in der Menschheit? Er ist so maechtig geworden, wie wir uns es gar nicht vorstellen koennen und er hat nur die Macht ueber den Menschen soweit der Mensch sie ihm einraeumt. Wie gross seine Macht ist beweist der Umstand, dass Gott seinen Sohn, der den Tod durch den Luzifer erleiden musste, schickte um die Erloesung der Menschheit zu bewirken.
BLEIB STILL

Bleib still wenn du die Antwort weisst
Um die noch heiss das Denken kreist
Des Andern der sie nicht gefunden
 
Es liegt in unserer Natur
Mit Eifer auf der falschen Spur
Verwirrt nach einem Ausweg suchen
 
Der Geist wird frei der Nebel weicht
Er sieht das Licht das er erreicht
Und kann sich in das Freie wenden.
 
Glaub nicht es muesste schneller gehen
Wie soll er auf dem Platze stehen
Der ihm vom Schoepfer vorgegeben
 
Er weiss auf einmal was er will
Gabst du im Zeit und hieltest still
Geduld ist alles oft im Leben.

ALLE TAGE ETWAS HOFFNUNG

Horch wie es tropft vom Baum und Dach
Hin auf die nasse Erde -
Horch wie es klopft, da muss ja wach
Der neue Fruehling werden.
 
Hast du den Vogel heut gehoert
Im Sonnenschein singen?
So manches hat er auf gestoert
Bald wird es wieder klingen.
 
Wir schreiben noch den Februar
Den alten Ofenhocker -
Doch wir sind schon im neuen Jahr
Das Eis im Fluss wird locker.

FRUEHLINGSNAHEN

Ueber Nacht in jungen Laube
Stehen braeutlich heut die Baeume,
Und der Duft der Bluetentraube
Fuellt mit Freude aermste Raeume,
Hebt die Tage aus der Reihe
Dieses kuemmerlichen Seins.
 
Aus dem Sande spaerlich spriessen
Zitternd Halme in die Helle,
Und mit sanftem Hauche fliessen
Winde hin gleich einer Welle,
Die verebbend langsam rieselt
Hin zum oft genetzten Strand.
 
Ungemessen klar von oben
Stroemet in die offnen Muender
Aller Blaetter, hin gehoben
In der Blaeue, jetzt schon linder
Lebensodem und die Saefte,
Die der Stamm hob aus den Grund.

AN SANFTEN HAENGEN LEUCHTEN

An sanften Haengen leuchten
 Primeln Sonnen Wonne hell,
In Bluetenkelchen feuchten
Stengel als leerender Quell.
 
Verborgen oft die Sonne
Hinter Wolkengebild,
Bedroht mit Frost, der Wonne
 Zartes Fruehlings gefild.
 
Des Windes eisig wueten
Schmilzt im gruenenden Vlies,
Der Schnee selbst waermt
Die Blueten unserer Primular veris.
 
Wohin das Auge sich wendet,
Es waechst und blueht was es erblickt,
Die laue Luft uns Duefte sendet
Bis alle Sinne sie erquickt.
 
Der Erde Kraft scheint nicht zu reichen,
Dass dieses Bluehn nicht rasch vergeht.
Des Lichtes Flut mit einem Streichen
Belebt was ohne dies verweht.
 
Mit Mondes ausgeliehenen Glanze
Da fliesset nachts vermehrte Kraft,
Im Keim und Wurzel um das Ganze
Steigt unbeirrt des Lebens Saft.
Ich wollte damit auch zum Ausdruck bringen, dass der Mond bei der Entwicklung und bei der Bluetezeit einen wesentlichen Anteil hat

BLUETENUMWOELBTE STRAEUCHER UND BAEUME

Bluetenumwoelbte Straeucher und Baeume
Zahlloses Bluehen im Wiesengrund
Zitternd schwanken im Windes Hauch sie
Eben geboren wie unsere Traeume.
 
Leben sie wirklich duerfen sie bluehn?
Reichen die Wasser, reichen die Kraefte
Die nun aufsteigenden, die belebend klar?
Naehren sonnige Strahlen mit
Sie in dieses Bluehen andere Haelfte?
Erstroemen ausstroemende Duefte suess unsagbar.

Silberner Mond am Himmel erschienen
Spiegelt geliehene Kraefte uns zu,
Naechtens heimlich so viel du vermagst,
Weiger dich nicht im Jahreskreis zu dienen,
Unseren Leben in naechtlicher Ruh.
Das Licht des Mondes das so spiegelt wirkt genauso wie das Sonnenlicht, nur in einer abgeschwaechten Form, das wollte ich damit ausdruecken.

BUCKLIGE WELT

Huegel sich an Huegel reihet
Sanfter fallen von Gruen ins Gruen,
Felder breiten Wiesen leihet
Schmalen Pfade weiches Bluehn.
 
Kupp um Kuppe ueberkroenet
Hell und dunkel Zug um Zug,
Weit ins Weite fliessen toenet
Berg um Berg in Wolkenflug.
 
Augen mit den Wolken ziehen,
Weithin in das ferne Blau,
Schauen Laender, schauen Bluehen
Glaenzend hell im Morgentau.
 
Huegel hin die Felderbreiten
In den Senken Busch und Baum
Wiesen eingebettet leiten
Frisch und hell in diesen Raum
 
Hin gelagert eine Herde
Wollger Schafe in das Gruen
Manche grasen und die Faehrte
Laemmchen mit den Muettern ziehn.
 
Spring so wild nicht mutig Boecklein
Ist zu klein ja noch dein Horn
Schreckst das Laemmchen dessen Loecklein
Wenns fliehen muss im Dorn.
 
Bild des Friedens allen Zeiten
Sorgen mit den Herden ziehn
Wolltest unsere Wuensche leiten Vater,
Still zu jenem Bilde hin.
Das finde ich selbst gut, nur ist es viel zu lang.
 
KASTANIEN

In dem hellen hohen Lichte,
Einer tiefen blauen Ferne
Misst das Auge nicht den Raum,
Trotz der kleinen Wolkenbaelle,
Die drin segeln wie ein Traum.
 
Auch die gruenen Kuppeln Laubes,
Reich bestueckt mit weissen Kerzen,
Leuchtend aus dem dunklen Gruen,
Zieht es fort in Blaettertiefen,
Die sich reihen Baum an Baum.
 
Nirgends ist des Schaue Ende,
Weit - und weiter stuerzen Blicke:
Ahnen sie die Ewigkeit?
Loest das Woelkchen sich im Strahle,
Wirds von letzter Last befreit?
 
SOMMER

Eine kleine Reise
Auf zwei Raedern leise
Fuehrt mich in das weite Land.
 
Froehlich liegt die Sonne
Heut zu meiner Wonne
Ueber Wiese, Berg und Tal.
 
Meine Augen wandern
Von einem Bild zum andern,
Finden stets ein neues Ziel.
 
Haeuser blinken ferne,
Blumen sind wie Sterne,
Fremde Menschen sind mir nah.
 
Durch des Tages Hitze
Auf dem Rad ich sitze
Bis zur heissersehnten Rast.
 
Hinter mir versinket
Still das Land und winket,
Was gestern war, verging.
 
Wenn die Schatten fallen,
Leg ich mich zu allen,
Die ihre Arbeit mued gemacht.
 
Schliesse meine Augen,
Frage: Wird es taugen,
Was durch meine Haende ging?
 
Bis ich mich erkenne,
Mein dann nicht mehr nenne,
Kehret lautlos Friede ein.
 
Auf zwei Raedern leise
Fuehret mich die Reise
In ein fern geahntes Land. 
 
SOMMER 1993

Gut - Wetterwolken segeln durch die Blaeue,
Wolken Baellchen, weiss und zart, ziehn mit,
Ein Lufthauch nur bewegt sie leis, als streue
Eine Hand sie aus, die Sehnsucht litt.
 
Du Sommer voller heller Tage bleibe!
Schuldest uns noch manche suesse Frucht.
Die Freude giesse aus und Wehmut treibe
Weit von dem, der goldne Ernte sucht!
 
Die Quellen rauschen, und die Fluesse glaenzen
Auf und zu uns her aus weitem Land.
In schwirrenden, entzueckenden Mueckentaenzen
Schauen wir und laecheln Hand in Hand.
 
Der Wald, die Felder liegen hin gebreitet,
Segen stroemt herab. - Ihr Stuerme geht!
Wen ruehrst du nicht, wes Herz wird nicht geweitet?
Sieht er den Frieden, der so heiss erfleht?
Wanderer 1994/1 Dachsteinloch, in den Sommergespraech 1994 erfuhr ich auch, dass Fridolin hat den Dachstein ueber die Hunnerscharte, bestiegen hatte.
 
VERGILBTE BLAETTER

Vergilbte Blaetter schweben schon,
Vom Foehn auch kreiselnd still herab.
Du ahnst es ist des Herbstes Ton
Der anklingt dumpf, das Jahr schliesst ab.
 
Nur Nebelschleier huellen zumeist die Berge ein,
Verzerren das Licht das taeglich spaeter kommt
Es weist uns Schatten zu auf dem Gesicht
Dann regnet es sich langsam ein.
 
Es tropft so schwer vom Baum und Blatt
Und mued und muede wird das Sein
Du Ernten Gruen wann wirst du satt?
 
Nur ein paar sonnige Tage noch
Die schenk uns vor des Winters Weiss
Er zwaengt uns in sein hartes Joch
In ihm end nicht des Lebens Kreis.

SOMMERTAG

Durch die Sommerwiesen gehend,
Sinnend, schauend steh ich still,
Seh den Bauer kraftvoll maehend,
Ahn, der Halm nicht fallen will.
 
Wende meinen Blick ins Ferne,
Ueberall des Sommers Pracht.
Leben moechte alles gerne,
Kommen sollte keine Nacht.
 
Darum sind die Tage laenger
In der sommerlichen Zeit,
Darum troesten uns die Saenger
Jubelvoll noch ist der Abend weit.
 
Dort im Grase eine Bluete,
Abgefallen in der Glut!
Lieber Strauch, die anderen huete,
Ach, so huete sie doch gut!
 
Wie viel Tage seh ich scheiden,
Jeder eine Blueht, die fiel?
Muss sie alle schmerzlich leiden,
Bis mich einer fuehrt ins Ziel.
  Ich war im Sommer sehr krank, mit Bronchitis und angehender Lungenendzuendung, die Eva war dann fuenf Wochen in Hochegg. Da hat mich mein Sohn Friedel mit auf den Semmering genommen und meine Schwiegertochter hat mich betreut. Da bin ich geistesschwach vor dem Haus gesessen und habe geschaut. Vor mir hatte ich das Stuhleck, den Sonnwendstein, den Pinkenkogel und die anderen Berge. Wolkentuerme nicht Gewitter- sondern Gutwetter Wolken koennte man sagen die sammeln sich immer und werden hochgerissen von der Eisluft und sinken wieder herunter und machen einen neuen Turm. Daraus entsteht dann schon ein Gewitter aber nicht unbedingt, sondern die Wolkentuerme sind der Vorbote
WOLKENTUERME

Schwindelnd hoch emporgehoben
Schweben Wolkentuerme,
Drehen und wenden sich.
 
In heissen Winden unaufhaltsam,
Von dem blauen Firmamente
Sich gestaltend hin und her.
 
Herbe Luefte, wo sie
Ausruhn ist nicht zu ermessen,
Denn sie schwinden und vergehn.
 
Steigen neu zum Himmel an,
Bergeshuegel stufig schattend,
Fliessen fort ins Weite.
 
Gruen und Blau sich einend,
Mit den leichten Wolken Duensten,
Baumspitzen ragen klar.
 
Bald mit verdaemmernd
Rascher noch ermuedend,
Unsere stillen fernen Blicke.
 
Leiten sich zurueck ins
Sommerliche bunte Bluehn,
Ragend zarte Graeser Aehren.
 
Biegen sich und schwanken.
Leise Lufthauch immer wieder,
Trotz der Samen Schwere.
 
Brechen nicht in Wolkenstuerzen,
Same reif muss fallen,
Warte, warte wie die Aehr.
 
Wie der Grashalm seine Zeit erwartet
Sommer heiss, bis sich
Erhebt ein weisser Wolkenturm.
 
SOMMERNACHT

Traute Birke, deine Zweige
Fluestern ueber stillem Pfad,
Wenn der heisse Tag zur Neige
Und ihn leis die Nacht betrat.
 
Murmelnd hebt sich banges Wehen,
Furcht will heimlich auferstehen,
Und die Nacht trinkt letztes Licht.
Graeser beugen sich und streifen
 
Kuehl den Tau auf Fuss und Saum,
Und im Daemmern liebend greifen
Die Gedanken alten Traum.
Staerker fliesst das bange Wehen,
 
Furcht will heimlich auferstehen,
Und die Nacht trinkt letztes Licht.
Aengstlich zirpt das Heimchen wieder
Wie bei schweren Abschiedsgang,
 
Heisse Traenen fallen nieder,
Armes Herz, wie ist dir bang!
Kaelter fliesst das naechtlich Wehen,
Doch aus seinem Hauch erstehen
Wird am Tag ein neues Licht.
 
NACH DEM REGEN

Milder Hauch und helles Leuchten
Fliesst, erfuellt den offnen Raum,
Koset all die Regen feuchten
Blaetter sanft auf Strauch und Baum.
 
Einmal, reicher noch ergluehend,
Stuerzen Tropfen hin zum Grund,
Und im Fallen ganz verspruehend,
Nimmt sie auf der Erde Mund.
 
Dort im Dunkel unterm Moose
Reinigt, einigt sie der Stein,
Bis sie dienend aus dem Schosse
Brechen in ein neues Sein.
 
Jetzt vom gleichen Fall gezogen,
Gibt es nur das eine Meer -
Hin ins selig - brausend Wogen,
Haelt die Tropfen niemand mehr.
 
SOMMERS VERGEHEN

Distel Flocken fliegen, drehen sich und wiegen,
Schweben in dem warmen Aufwind ueberm Grund,
Blaeuling flattert um die Wette, Honig trunken
Kuesst er heiss die Blueten, wippt von Mund zu Mund.
Tief in Sommerseligkeit versunken.
 
Troestlich fuellt das Bild die leeren, mueden Augen.
Rauschend wellen volle Aehren auf den Feldern,
Leuchtend beugt sich das schwere reife Gold,
Weithin Huegel - auf und ab, zu fernen Waeldern
Rinnt es hin, des Jahres und des Schweisses Sold.

IM PARK

Es faellt das Blatt,
Es faellt die Frucht
In mildem Herbstes Licht,
Der Strahl wird matt,
Ein jeder fuehlt
Ihn noch und fasst es nicht,
Dass bald das Jahr vorbei.

OKTOBER

In die grauen Nebelschleier
Sinkt leise Blatt um Blatt,
Kreiselnd - taenzelnd - letzter Feier
Muede - los schon Sommer satt.
 
Die vom Baum noch festgehalten
Gluehen auf im spaetem Schein,
Gelb und rot bald umgestalten
Wird ihr kommend Sein.

ICH WAR DURSTIG

Gib mir zutrinken, ehe ich vergehe,
Niemand hat so koestlichen Wein,
Karge nicht aengstlich mit ihm im Kruge,
Taeglich neu aus deinem Herzen er sich fuellt.
 
Mir hilft kein Wein vom heurigem Jahre,
Der ist zu stuermisch, zu wenig gereift;
Er wuerde mich gaenzlich verwirren,
Der ich schon trunken von deinem Bild.
 
Mag auch am Suessen mich nicht berauschen,
Der ja so tueckisch die Kraefte uns raubt,
Der nur verlockt unsere Sinne und
Leer laesst das Herz fuer den kommenden Tag.
 
Gib mir zu trinken, eh ich vergehe,
Gib mir von deinem koestlichen Wein;
Reich mir die Lippen, meine Geliebte,
Stille den Durst mir, so lange es tagt.

UNTERM NUSSBAUM

In dem Winter kahlen Nussbaum
Sitzen in den kalten Naechten
Gar so viele Sterne, -
Ach, wohl tausend Sterne
Sitzen in den knorrigen Aesten,
In den zahllos krummen Zweigen.
Und wie alt ist dieser Nussbaum?
Ach, wie alt sind diese Sterne?
Und wie alt bin ich da unterm Nussbaum?

FRAGE AN DAS JAHR

Aus dunklen Zimmerecken quillt es grau,
Laengst ist der Sonne goldnes Licht gewichen
Der Tag entschwand, wie, weisst du nicht genau.
Ging er allein? - Was ist von mir verblichen?
 
Die Stunde tropft wie Wachs von einem Licht
Und reiht sich schmelzend, zehrend an die andre.
Die bange Frage wiedrum aus mir bricht:
Endet im Dunkel das, wohin ich wandre?

DAEMMERSTUNDE HUELLT UNS EIN

Der laute Tag wird stiller,
Das eilig Hasten ebbt nun ab;
Du fragst dich mued: Was will er
Von mir noch, der ich alles gab?
 
Des Lichtes Helle schwindet,
Und Schatten steigen grau herauf.
Sie huellen, was dich bindet
An ihn, Erinnerung lebt auf.
 
Was du geliebt, erwacht
In Bildern unvergesslich weh,
Und Trauer suehnt und macht
Dich froh, weil Schmerz du traegst wie eh!

ADVENT ANKUNFT

Gerade und krumme Lebenswege
Sind wir gegangen in der wirren Welt
Durch schwere und dunkle Taten trage
Kraftlos Gutem verschlossen Boesem zugesellt.
 
Gar muede vom Warten ohne Hoffen
Stets betoerenden Laerm schutzlos ausgesetzt
Da, ferne ein Ruf er macht und betroffen:
Ebnet die Wege dem Herrn, den ihr so tief verletzt.
 
Im menschlichen Kleide muss er kommen
Aermer hilfloser als wir selber es sind
Wir glauben es nicht stehen besonnen
Vor dem goettlichen uns rettenden Kind.

ADVENTGEDANKEN

Menschen wandern, Traeumenden gleich,
Zeiten und Zonen durchmessend im Aeon,
Suchend Stellen des Eintritts ins Reich
Eines Gottes, er komme als sein Sohn
Unheil wendend in jeglicher Zeit.
 
Sarah, warum lachst du voll Spott (Gen.18/9 Gen.21/1-3)
Haemisch ziehst du die Lippen hinauf?
Boten sollst du glauben, ein Gott
Selber kuendet dir den Verlauf,
Wie ein Sohn dir geschenkt werden wird.
 
Hagar vor dir Segen empfing, (Gen.16/11 Gen.25/13)
Ueber dich sie sich setzte in Stolz.
Ihr Gewinn war trotzdem gering
Weil vor dem Rechte er schmolz.
Sich in der Wueste spurlos verlor.
 
Jungfrau, Kind und hilflose Not,
Anderes Zeichen wird auch uns nicht geschenkt (Luk.11/29)
Engel ernten nur Laecheln und Spott,
Weil ihre Botschaft niemand bedenkt:
Ein Kind und arm, das ist zum Lachen!

WEIHNACHT 1990

Du,
Einem jeden zugesellt
Aus dem Neunten Chor,
Hebe uns das Gesicht empor
Aus unsres Dunkelns Pein.
 
Deine Guete
erhellt die Nacht
Mit der Liebe des Einen
Der, abwaerts steigend,
Sich fuer uns dargebracht.

WEIHNACHT 1991

Gerne waeren wir Engeln gleich,
Frei von unserer Erden Schwere.
Damals wurden auch Engel versucht,
Als sie nicht vermochten
Den Weg des Vaters zu gehen
In seinem Sohne zu uns im Leibe.
Wir wurden ueber sie erhoben,
Goettlich gemacht an Leib und Seele,
Wie er aus seiner Geburt aus Maria!

IHR ENGEL DER WEIHNACHT 1995

Mit Himmels - Licht
Durchbrecht unser tiefes Dunkel,
Das uns noch immer umgibt
Auch ohne Sterne Gefunkel,
Weil ihr uns unsagbar liebt.
 
Mit eurem Geist
Umhuellt uns in Gefahren
Wie es der Vater auch heisst.
Wo ist was weist,
Wenn ihr uns nicht vom Wahren
Kuendet, das er euch schauen liess?
 
Ihr zeigt ein Kind,
Ein voellig hilfloses, armes,
Das euren Haenden anvertraut.
So ruehrt uns an,
Dass Kaelte schwinde und warmes
Erwarten den Weg zu dir baut.
 
Ihr  - sollt ihr duerft
Nicht brechen, Fluegel so zarte,
Es erwarten so viele noch -
Es singt und dringt
Euer Wort so lautlos ins harte
Beklommene Herz: Ich mag dich doch!

OSTERN 1991

Ueber den See zu deinen Juengern tretend,
Verlangtest Du von ihnen Fisch zu essen.
 
Dein Name
Im Worte Fisch Ichthya verborgen,
Fuehrte Andere, das in Steinen eingekerbte Zeichen Fisch,
In dunklen Hoehlen mit den Fingern ertastend,
Zum Mahl mit Dir.
 
Wir ertasten heute in unserem Dunkel,
In den Zeilen der heiligen Schrift suchend,
Den Weg zum Mahl mir Dir.

OSTERN 1992

Noch darf dein Licht ich schauen,
Mich freuen dran fuerwahr;
Der Wolke gleich, im Aether blauen
Zieh hin ich wunderbar.
 
Noch schwebe ich, das fallen
Ist mir fast nicht bewusst;
Ich weiss bestimmt ists allen,
Es engt mir nicht die Brust.
 
Ich darf ein Licht schon schauen
Aus Erden Dunkelheit;
Dem Auferstandnem trauen
Will ich ihn bereit.

OSTERN UMKEHR 1993

Selbst in aeusserster Dunkelheit,
Auch wenn Nacht ist rings um dich,
Gottes lastende Hand bedeckt
Finster engende Kluefte noch;
Lass es geschehen!
 
Eintritt Golgotha Stunde jetzt,
Treibet blutigen Schweiss auf die Stirn,
Steht ein troestend Engel bereit;
Lass es geschehen!
 
Wende dem Unfassbaren dich zu,
Hoere, was er dem Menschen sagt
Durch den fuer uns sterbenden Sohn;
Lass es geschehn !
  Da habe ich etwas versucht mit dem Gedicht was nicht verstanden worden ist, aber da bin ich auch wohl auch selber schuld. Der Abraham ist doch der groesste Prophet seine Frau Sarah war 80 Jahre und konnte kein Kind mehr bekommen, er war 90 Jahre. Dann ist ein Engel gekommen und hat verkuendet sie wird einen Sohn gebaeren. Die Sarah stand hinter dem Zelt und hat gelacht. Der Bote fragte:
  Sarah warum lachst du? Aber das ist damals nicht verstanden worden, denn Abraham hat dann die erste Magd die Aga zur Frau genommen und der Ismael wurde geboren. Gegenwartsbezogen sind die Juden die Nachkommen des Israel des Kindes mit der Sarah. Heute noch kaempfen die Araber und die Israeliten und die Ismaeliten auf Leben und Tod miteinander und nun sind schon Dreitausend Jahre her seid das passiert ist.
MUTTER, DEINEM GEDAECHTNIS

Ein schmal Gesicht von dunklem Haar umkraenzt,
Darauf schon reichlich Silber lieget,
Zwei treue Augen daraus die Guete glaenzt,
Ein Herz in dem die Lieb gesieget.
 
So nahst du Mutter mir zu mancher Zeit,
Ein Bild aus fernen Kindertagen
Und deine Worte wie dein Leben, weit
Weiss ich in meins herueber ragen
 
Die Daemmerstunde huellt oft uns ein
Mit deiner Heimat Sageswesen
Tuerk und Bergfrau gingen tief hinein
In Herz und Traum eh ich konnt lesen.
 
Dann warst du krank, arg lang und auf den Tod,
Wir weinten heimlich hinter Tueren,
Du Mutter bleib bei uns, ach welche Not,
Den letzten, einzgen Kuss zu spueren.
 
Ein kindlich Wissen hat mir aufbewahrt
Den dumpfen Traum von schweren Tagen,
Ein wehes Bild von stiller letzter Fahrt
Im milden Herbst voll mueder Klagen.
 
Dann Naechte, denen Weinen Stunden stahl,
In die die Leere drohend gaehnte
Verlassen ganz mit einem Mal
Nichts mehr, wo ich mich sicher waehnte.
Abgedruckt im Wanderer 1991/2 Geschriebenstein

HINAUF ZUM GIPFEL

Setz diesen Fuss auf diesen kleinen Tritt
Gib mir die Hand, denk nicht es glitt
Der Schuh der Rasen gaebe nach.
 
Nun lass dem Atem stille gehn
Ruhe, schaue, bleib ein wenig stehn
Bis alles Blut vom Herzen ist.
 
Lehn dich an mich, ich trockne dir den Schweiss
Ich halte deine Hand, ich streichle sie, ich weiss
Das Herz erstarren will.
 
Du magst nicht aufwaerts blicken, nicht zurueck
Glaubst du mir nicht, dass nur ein kleines Stueck
Uns noch vom Gipfel trennt?
 
Nun huellt das Licht uns ein, - oben hell,
Das Auge weit, die Seele trinkt, - schnell
Vergessen Angst und Kampf, - Gipfel Ruh.
 
Muehsam erworben, tief - so tief getrunken
Vergaenglich schoene Stunde, - schon versunken
Leise tropft der Mut zum Weiterhgehn.
Abgedruckt im Wanderer 1992/1 Grimmingtor
PROSA MENSCHHORN

DIE NEULAENDER
  In einem Gutshof in Breitenfurt, waren drei Maenner: Rudolf Lanzer, Erich Zecher und ich und zwei Frauen: Elsa Laumann, und Hilde Kirchmeier aus der Gemeinschaft des Neulandbundes. Um eine Voraussetzung fuer die Gruendung einer Schule zu schaffen, haben wir dieses Haus umsonst zur Verfuegung gestellt bekommen, das war die Gruendung der Neulandschule. Zur gleichen Zeit, waren auch Bestrebungen diese Schule in Wien zu gruenden, wir fuenf waren von unserer Idee ueberzeugt, wir dachten daran spaeter wenn es uns moeglich waere, mit einem Autobus mit den Kindern in die Oper, in die Theater oder in die Kunstausstellungen, nach Wien zu fahren.
Vierzig Jahre spaeter habe ich diese Schule in Bad Ischel verwirklicht. Dort habe ich ein grosses Haus als Schule gemietet und hatte zehn Jahre lang Vierhundert Kinder von der Stadt gehabt.
  Eine Paralell Schule in Wien hat, in der geistigen und koerperlichen Entwicklung der Kinder den Unterschied, gezeigt. Damals hatte man mir dann recht gegeben, dass die Entwicklung der Kinder auf dem Land besser war wie in der Stadt. Wenn ich meine Absicht damals richtig verstanden habe die mich in dieser Gemeinschaft von Neulaendern veranlasste, in einen Teil des Maria Theresia Schlosses eine Werkgemeinschaft zu verwirklichen, so war es eine Laiengemeinschaft ohne Regeln, genaehrt nach einem Streben nach Gott in der Welt, dem Suchen nach Wahrheit, Einfachheit und Geschwisterlichkeit und einer Sinn Erfuellung des Lebens. Fern der Grossstadt war sie ein Dienst an den Kindern in Noeten, in den bedraengten Jahren der Entwicklung und des Reifens.
  Brot wurde auf den Feldern gewonnen und anderes wurde fuer eine erneuerte Schule bereitgestellt, in der jedes Gotteskind in einen Jugendreich lebte, dass war der Grundinhalt meines Lebens.
  Es ist sehr viel dazwischengekommen aber ich habe es dann doch verwirklichen koennen.
Die Neulaender sind eine vor dem ersten Weltkrieg entstandene katholische Erneuerungsbewegung, die mit den buergerlichen Konsensen nicht zurecht gekommen ist. Wir haben uns gegen alles buergerliche vorgefasste zwingende gestellt, weil wir gefragt haben ist es richtig. Es ist eine Bewegung innerhalb der Kirche, die sich auch nicht gescheut hat, die Kirche zu hinterfragen. Wir sind ja auch schon in jungen Jahren mit 17 - 18 Jahren, ueber die Auslegung verschiedener Dinge, mit der Kirche in einen Zwiespalt gekommen. Es kommt dann immer auf den Bischof an ob er dies begreift, der Kardinal Initzer war der Mann der uns nie verstanden hat. Vorher der Kardinal Piffel, der hat uns gut verstanden, er hat uns Breitenfurt zur Verfuegung gestellt und hat seinen Sekretaer, den Doktor Rudolf auch die Moeglichkeit gegeben diese Idee einer neuen Schule zu verwirklichen.
  Bei Initzer war das unmoeglich, bei uns hat es geheissen Initzer - ein Unuetzer, er war ein Mensch guten Willens aber er war geistig nicht besonders, die Groesse die er gebraucht haette fehlte ihm. Erst sein Nachfolger der Kardinal Koenig hatte diese umfassende Eigenschaften. Auch dem derzeitigen Kardinal Groer fehlen diese Eigenschaften. Gute Leute wie der Kardinal Kraeutler (Strom des Elends, Fluss der Hoffnung) Otto Mueller Verlag Salzburg) werden in der Kirche nicht geschaetzt, Bischof Eder verwehrte ihm einen Vortrag in Salzburg, dieser Vortrag wurde dann im hoffnungslos ueberfuellten Wiener Rathaus Saal gehalten. Kraeutler sprach auch kurz zu den vielen Hunderten Leuten auf der Strasse die keinen Platz im Saal mehr fanden. Ein Beispiel welchen Zuspruch die Kirche bei lebensnahen mutigen intellektuellen Geistlichen erfahren kann.
  Ich bin in Berndorf der Industriestadt aufgewachsen, mein Vater und meine Mutter stammten aus baeuerlicher Herkunft. Die erste Erkenntnis war: Der Mensch ist kein hoeheres Wesen. Nicht mittelalterliche Demut- sondern Abwehr von Mystifikationen ist das Mass des Menschen.
In der Renaissance kam die Abkehr von der Hybris; der Unterwerfung der Welt unter den Blickpunkt des Menschen. Dem menschlichen vernuenftigem Zustand ist alles unterworfen.

DIE REDUKTIONEN
  • Die kosmische Reduktion: Die Erde wird ein Staubkorn im Kosmos. Der Mensch nimmt nicht mehr die zentrale Stellung ein, das Zeitalter des Realismus.
  • Die biologische Reduktion: Der Mensch wird eingereiht in die lange Kette seiner Mitkreaturen, besonders im Impressionismus.
  • Die soziologische Reduktion: Marx und seine Gesellschaftstheorie im Expressionismus. Die Geschichte ist wie die Natur den Gesetzen unterworfen. Der Einzelmensch ist eng soziologisch bedingt, das waren die geistigen Auffassungen der Vergangenheit.
  • Die physikalische Reduktion: Zum Beispiel im Kubismus oder in der Relativitaetstheorie von Einstein. Zeit und Raum sind nicht mehr absolut, Bedingung und Bezugssystem sind veraenderlich atomare Restrukturen, die Materie in der experimentellen Entdeckungen.
  • Die psychologische: Im Surrealismus und der Psychoanalyse von, Freud. Die Entdeckung des Unpersoenlichen, damit begruendet Freud ja oft die psychischen Entscheidungen. Er hat es ja tun muessen. Die seelischen Vorgaenge der elementaren Triebnatur unseres Persoenlichkeitsgrundes und die Lehre vom Unbewussten. Die Erweiterung des Horizontes, die Freilegung der offenen Distanzen. Aber dahinter aber gerade aber auch der Abbau der geschlossenen Gestalt, ist jedesmal eine Schrumpfung des Menschenbildes.
  Der Mensch beherrscht immer kleinere Weltsektoren, der Mensch nimmt immer mehr einen uebersteigerten Standpunkt ein.
  Ist es eine Frage der; konditionierlich oder diskontionierlichen Folge der Zentralisierung oder der Teilabsonderung, Assoziationsfolgen, des Berufes als Vertiefung? Ist es das Mischungsverhaeltnis abstrakt begrifflicher und konkret anschaulicher Vokabeln, die Einfuehrung von Fachausdruecken, die Fremdwoerter zur Erzaehlung eines Entfremdungs Effektes?
Ist es die Durchsetzung mit Zeitmontagen, die Verselbststaendigung des Bildes, des Wortes, des Lautes und der Buchstaben?
Die geistesgeschichtlichen Grundlagen, der Querverbindung zwischen Kuenstlern, Wissenschaftlern und Politikern als Zeitsubstanz im Zeitgeist, das Lebensgefuehl, der Wurzelgrund der Zeitepoche aendert sich oft in Jahrzehnten.

DER BEGINN DER NEUZEIT
  Der Mensch wird immer unwichtiger und bedeutungsloser fuer das Geschehen er ist ja nicht verantwortlich. Fuer das was er tut ist es"verantwortlich. Der Mensch greift auf das Tier zurueck um seine Triebe zu erforschen. Die Verhaltungsforschung von Lorenz mit den Graugaensen.
Es geht ja das grosse Erlebnis in Amerika und Europa: Der Mensch muss ja wie ein Affe sein, er stammt ja von ihm ab. Sein Verhalten ist demnach, es kommen diese ganzen schrecklichen Triebe der Urwesen dazu; von den Orang-Uutan bis zu den Dinosauriern, die alle in unseren Wesen irgendwo begruendet sind und sich ausleben muessen. Die blutigste Gewalt und die Vergewaltigungen sind alle eine selbstverstaendliche Folge davon, dass der Mensch sein muss wie er ist. Mich hat Friedrich Hoelderlin > sehr viel zum Denken gebracht. So wie du anfingst wirst du bleiben, es wird sich nichts an dir aendern, es sei den der Lichtstrahl der dir als Neugeborener begegnet der bewirkt das andere.
Damit meine ich die Begegnung mit einer Religion, mit einem Glauben und mit der Kunst. Hoelderlin hat seine Werke mit seiner innersten unverbildeten Kraft geschrieben, er war ja auch ein Gegner von Goethe und von Schiller. Er hat immer mehr dahinter gesehen, er war ein uns ein uebersteigendes Wesen, das Einheit von innen und aussen verbuergt. Es waere natuerlich eine grosse Aufgabe eine Geistesentwicklung einmal, durch die Kunst oder in einer wissenschaftlichen Abhandlung, verstaendlich darzustellen.

ALS DIE SCHATTEN FIELEN 12. Maerz 1938
  Die zwei Jahrzehnte von 1918 bis 1938 abgesehen vom Krieg 1914 bis 1918, waren erfuellt von Drohung mit Gewalt und von Gewalt. Vornehmlich in den Staedten und den verschiedenen Industriegebieten. Nie wieder Krieg! Schallte lautstark die Parole, aber an allen Orten brach die Gewalt aus; Schlaegereien in den Fabriken, auf den Strassen, Sprengstoffanschlaege, Drohworte und Streit, vergifteten dem all die Atemluft.
Wenn der Schutzbund marschierte herrschte die Angst, ebenso herrschte sie, wenn der Heimatschutz und die Heimwehr, auf der Strasse ihre Kraft zeigten. Das Volk war in zwei grosse Lager gespalten, daneben gab es den deutschen Turnverein, quer durch die Familien ging oft die politische Trennung, Eltern, Soehne, Toechter und Schwiegersoehne waren entzweit, durch gegensaetzliche politische Standpunkte. Der rote Schwiegersohn schuetzte den schwarzen Schwiegervater, der wieder schuetzte einen leitenden Beamten vor Gewalt. Putsch, Demonstrationen, Aufstaende fuehrten schliesslich zum Buergerkrieg, eine wahre schwere unruhige Lage. Immer staerker draengt ein Anderes bisher Verborgenes ans Licht, Illegale die sich formiert hatten.


DER SEPPL MIT DEN GOLDENEN HAAREN (Sage)
   Es waren einmal ein Bauer und eine Baeuerin. Sie waren sehr arm. Die beiden hatten einen Sohn, der hiess Seppl. Es ging ihnen sehr schlecht, so sehr sie sich auch abplagten. Als der Sohn herangewachsen, ging es ihnen besser. Eines Tages war es so weit, dass sie ein Ross kaufen konnten. Im Auftrag der Eltern ging Seppl in die Stadt, um eines zu erwerben. Er kam auch richtig zum Pferdemarkt. Es waren zwar noch Pferde da, aber keines, das dem Seppl gefallen haette. Im Herumgehen hatte er bemerkt, dass ein feiner Herr alle brauchbaren und schoenen Pferde aufgekauft hatte. Als er zu guter Letzt immer wieder bei den Pferden jenes Herrn stand und sie betrachtete, sprach in dieser an. Der Bub gefiel ihm, weil er ein fester Kerl war, den man gut brauchen konnte. Ob er nicht sein Knecht werden wolle, fragte er ihn. Derb Seppl zoegerte nicht lange. Ihm war das Angebot recht, und er sagte zu. Voll Erwartung und Freude ritt er mit dem neuen Herrn und seinen Pferden.
  Auf ihrem Weg kamen sie zu einem grossen, finsteren Wald. In diesen ritten sie schnurstracks hinein. Bald wurde es Seppl unheimlich, und er fuerchtete sich. Je weiter sie in den Wald hinein ritten, desto duesterer wurde er. Kalte Schauer rieselten Seppl ueber dem Ruecken. Als sie schon den zweiten Tag durch den Wald gereist waren, kamen sie endlich wieder heraus. Ein grosser Stein fiel Seppl vom Herzen, als er sah, wo sein Herr wohnte. Inmitten einer blumigen Wiese stand ein praechtiges Schloss. Es war von bluehenden Hecken, fremdlaendischen Baeumen und bunten Ziergaerten umgeben. Der Liebreiz des Gartens, die sonnenbeschienene Pracht des Schlosses verwirrten Seppl so sehr, dass er es nicht wagte, hineinzugehen. Sein Herr draengte ihn aber und liess ihn die vielen hellen Zimmer mit den herrlichen Moebeln und den schoenen Bildern und Kunstwerken sehen und bestaunen. Schliesslich kamen sie auch zum Pferdestall.
  Er war voll, und die neu gekauften Pferde standen davor. Da sagte der vornehme Herr zum Seppl: Unter den vielen Pferden siehst du einen herrlichen Schimmel. Schaue ihn dir gut an. Von nun an hast du weiter nichts zu tun, als diese Stute zu fuettern und sorgsam zu pflegen. Zum Lohn wirst du immer gutes Essen und Kleider von mir erhalten. Weiters brauchst du ja nichts:
  Das war dem Seppl recht, und die Arbeit schien ihm leicht zu sein im Vergleich zu seiner Plage bisher. Er meinte, fuer ihn koennte es nichts Besseres geben. Kaum war sein Herr fort, fing zu Seppls Erstaunen das ihm anvertraute Pferd ploetzlich zu sprechen an und sagte: Geh in den Hof hinaus, dort ist ein Brunnen. Bringe mir ein Maul voll Wasser! Seppl lief um das Wasser und liess es die Schimmelstute schluerfen. Sie aber trank nicht sondern spruehte das Nass ueber des Knaben Kopf. Seine Haare wurden davon zu puren Gold. Der Bub erschrak sehr. Da redete die Stute wieder: Nimm vom Wasser des Brunnens ein Gefaess voll, sitze bei mir auf und reite schnellstens von hier fort - heim zu! Geschwind wie der Wind legten sie den weiten Weg zurueck. Ehe sie aber Seppls Elternhaus erreichten, verlangte die Stute, er solle anhalten und ihr vom mitgenommenen Wasser zu trinken geben. Seppl tat es. Das Pferd trank, und sogleich stand eine schoene weissgekleidete Prinzessin mit goldenem Haar vor ihm. Da machte er grosse Augen, nahm die Prinzessin bei der Hand und fuehrte sie zu seinen Eltern in das aermliche Haus. Diese waren uebergluecklich, ihren Sohn wieder zu haben. Weil sich Seppl und die Prinzessin sehr lieb hatten, heirateten sie. Alle miteinander zogen nun zu den Eltern der Prinzessin, und Seppl wurde dort Koenig. Der Hexenmeister hinter dem grossem Wald, der die Prinzessin in eine Stute verzaubert hatte, wurde zum Tode durch Verbrennen verurteilt. Seppl ging es nun sehr gut. Weit und breit gab es keinen besseren Koenig. Quelle: Alpenmaerchen

 
DIE BERGMANDL UND DAS BODENLOSE LOCH
   Vor rund zweihundert Jahren war es rings um den Schneeberg und die Rax recht unwegsam. Fahrwege waren entstanden, wo Holz gebracht werden musste und der Erzstein, immer wieder zerrissen von Schmelzwassern und Regenguessen, steinig und loechrig, ebenso die Fusssteige zu den kleinen Weilern und Einschichthoefen. Wenig wussten die Bewohner vom Geschehen draussen in der Welt. Kleinbauern bestellten ihre mageren Feldern, dem Wald abgerungen. Holzknechte und Koehler traf man an den Haengen der engen Graeben und schmalen Taeler. Hirtenbuben hueteten Kuehe, Ziegen und Schafe.
Das Waldesdunkel, die Einsamkeit, die Unbilden des Wetters und die langen Winter beim Kienspanlicht liessen die Menschen die Naturgewalten fuerchten. In vielen Erscheinungen spuerten sie Drohungen und ahnten sie Unheil.
  Oben auf Schneeberg und Rax brauten die Wetter. Wochenlang von ziehenden Wolken umlagert, waren die Haenge von Rinnen und Loechern zerfurcht und mir Steinen uebersaet. Kluefte, Spalten und Hoehlen fanden sich allerorts. Hier herauf kamen auch Tiere zur Weide, von einsamen Hirten betreut. Wenn nach Regenguessen die Sonne wieder heiss brannte und das Wasser versickerte, abziehende Wolken noch wallten, kraeuselte Wasserdampf aus den Vertiefungen und Spalten.
  Die Buben lockte es oft, in die ringelnden Duenste Steine zu werfen oder in die brauenden Nebel Steine rollen zu lassen. Streng war ihnen solches Tun verboten worden, glaubten doch die Leute fest, das bringe Unheil. Wer so etwas mache, dem verirre sich ein Tier, verletze sich oder stuerze gar ab. Aengstlich unterliessen sie es daher.
  
Ein Hueterbub war mir seinem Essen fuer eine Woche aufgestiegen. Unter dem Arm trug er einen Laib Brot. Als er stolperte, entglitt ihm das Brot, rollte ein Stueck abwaerts und verschwand in einem Busch. Erschrocken verfolgte es der Hirte mit den Augen und stuerzte zu der Stelle, an der es verschwunden war.
  Dort fand er eine Grube. In diese stieg er mutig hinab, sich an Gras und Zweigen festhaltend. Bald fand er keinen Halt mehr, so fest er sich auch stemmte und spreizte. Immer schneller rutschte er hinab, bis ihm die Sinne schwanden. Naesse und Kaelte liessen ihn erschauern. Schliesslich sass er, von einigen Schrammen abgesehen, unverletzt in einem unterirdischen Wasserlauf, der ihm bis zur Brust reichte.
Entschlossen stellte er sich auf seine Beine, schaute und horchte. Dort in der Ferne, wohin das Wasser floss, ahnte er einen Lichtschimmer. Auf diesen ging er zu. Nachdem er sich an die Geraeusche ringsum gewoehnt hatte, vermeinte er ein fernes Pochen zu vernehmen. Diesem naeherte er sich flussabwaerts watend.
  Alle Furcht hatte ihn verlassen. Hoffnung erfuellte ihn. Stundenlang, waehnte er, dauerte sein Gehen. Mehr und mehr nahm die Helligkeit zu. Er konnte die Felswaende links und rechts erkennen, die vom Sickerwasser mit Kalksteingebilden bedeckt worden waren. Der Felstunnel weitete sich, und das Pochen wurde lauter. Bald fand er sich in einer hellen Felsenhalle. Mit Staunen sah er, wie Bergmaennlein im Gestein werkten. Eines nahte sich und sprach den Erschrockenen an: Ich weiss, dass du fuerwitzig in unser unterirdisches Reich eingedrungen bist. Es soll vor euch Menschen verborgen bleiben. Schweige von dem was du sahst, und ich will dich aus dem Berg geleiten. Der Hirte versprach es.
Weite und gewundene Steige am Bach und muehsame Pfade ueber Geroellhalden fuehrte ihn das Bergmaennlein, ehe volles Licht hereinbrach und der Hirtenbub aus einem Wassertor trat. Sich durchs Gestruepp zwaengend, fand er einen verwachsenen Weg, der ihm bekannt erschien. Er wandte sich um, doch sein Begleiter war grusslos verschwunden. Auf diese Weise hatte der Hirte - ohne zu wollen - das Grundlose Loch entdeckt.
 
BRIEFE
  Janusgesicht Amon Michael >

20110329  Sehr geehrter Hr. Amon, danke fuer Ihr Mail, mein letzter Besuch bei Fridolin war in der Kursana Residenz, wo er mit seiner Partnerin, untergebracht war. Als seine Frau hatte er sie nicht bezeichnet. Ich nehme an, dass er auch dort das Zeitliche gesegnet hat. Vielleicht gibt es dort eine genauere Aufzeichnung. Das Todesjahr ist geschaetzt, ich hatte damals schon viele Jahre keinen Kontakt mehr mit dem Literatur Kreis, es wird aber eher 2006 sein. Eines ist mit wieder eingefallen: In einem Bericht erzaehlte ich einst eine Feier auf der Grimminghuette; ich und ein Baer von einem Beamten waren die Letzten der Betrunkenen. Im dunklen der Nacht verlor ich den Mann aber beim Abgang. Dies hatte dem Fridolin gar nicht gefallen und er aeusserte sich sehr kritisch darueber. Spaeter habe ich erfahren; der Mann ging zur Huette zurueck und schnarchte so laut, dass der Wirt ihn wahrgenommen hat. Dies zur Auflockerung dieses Trauerspieles. H. Gr.

20110328 Sehr geehrter Herr Mayer! Diesen Text kenne ich, darum war ich mir sehr sicher, auf der richtigen Spur zu sein. Leider macht er sich hier - soweit ich das historisch ueberpruefen konnte - insofern ein wenig groesser, als die Neulandschule 1925/26 in Grinzing von Anna Ehm, seiner spaeteren Schwaegerin und Mitbegruenderin des Neulandbundes, gegruendet worden ist. Die Namen stimmen auch nicht ganz. Der eine Mann heisst Rudolf Lanser, die eine Frau Relly (nicht Elsa) Laumann. Das konnte ich verifizieren.
  Auch das vierzig Jahre spaeter kann nicht stimmen. Die Schule in Bad Ischl wurde 1954 gegruendet, also muesste die Sache in Breifenfurt schon 1914 stattgefunden haben. Da war Menschhorn erst 4 Jahre alt, und selbst 1925 war er erst 15, also weit weg von der Moeglichkeit einer Schulgruendung. Nach meinen Recherchen ist der Gutshof in Breifenfurt das ehemalige Jagdschloss von Maria Theresia in Breifenfurt (das derzeit uebrigens um 980.000 Euro samt 3000 m2 Grund zum Verkauf steht), das bis 1929 der Erzdioezese Wien gehoert hat. Der damalige Wiener Erzbischof Piffel hat dem Neulandbund das Gebaeude zur Verfuegung gestellt, etwa zur gleichen Zeit, als in Grinzing die Neulandschule in Baracken gegruendet wurde. Lanser gruendete dort im Sinne des Neulandbundes eine Werkgemeinschaft, man hatte die Idee, dort gemeinsam auf einfache und natuerliche Art zu leben, sehr nahe an einer romantisierten Idee der Bauernschaft, alles selbst herzustellen und auch die Schule in Grinzing mit Moebeln und Gemuese zu versorgen. Das beschreibt es in diesem Text ja sehr aehnlich, nur eben das mit der Schuldgruendung war deutlich anders.
  Er war uebrigens auch nie, also jedenfalls nicht im Rahmen der Neulandschulsiedlungen, als Paedagoge taetig. Er war zwar Internatsleiter zuerst in Ischl und ab 1964 in Wien, aber er hat nie selbst als Erzieher gearbeitet, sondern hat sich um den ganzen manuellen Kram gekuemmert. Er war allerdings Chef der Erzieher. In Bad Ischl war es besonders schlimm, weil er dort unkontrolliert war. Allerdings ist die Zahl von 400 Kindern weit uebertrieben. Es waren maximal 120 bis 140 (vier Jahrgaenge Unterstufe Gymnasium). Dazu kam noch, dass abwechselnd immer eine Volksschulklasse aus Wien fuer sechs Wochen in Bad Ischl war (so eine Art Landschulwochen). Wir gingen ihm, so weit moeglich, aus dem Weg. Aber es war echt brutal dort.
  Wo Menschhorn uebrigens auch irrt (schwindelt??) sind seine Veroeffentlichungen in der Zeitschrift Neuland des Neulandbundes. Ich habe alle Jahrgaenge durchforstet und nichts von ihm gefunden.
  Eine wesentliche Frage ist fuer mich noch ungeklaert: die Dame, die auf den Bildern als seine Gefaehrtin aufscheint, hat ueberhaupt keine Aehnlichkeit mit seiner Ehefrau, der Schwester der Schul- und Neulandgruenderin Anna Ehm. Menschhorns Frau, so wie ich sie zwischen 1960 und 1968 kannte, sah ganz anders aus und war ausserdem immer in der heimlichen Ordenstracht der Neulaenderinnen gekleidet. Die Neulaenderinnen waren ja kein echter Orden, das haette dem Selbstverstaendnis des Bundes Neuland widersprochen. Sie hatten auch keine Ordensregel, die meisten blieben aber ledig und lebten zoelibataer. Aber sie hatten insofern eine geheime Ordenstracht, als alle Neulaenderinnen (auch Menschhorns Frau) ihre langen Haare zu einem Zopf flochten, der dann zu einem Kranz gebunden am Hinterkopf getragen wurde. Die meisten Neulaenderinnen trugen dann auch noch einfache Arbeitsdirndln aus derben Stoffen in gedeckten Farben (blasses grau-blau). Seine Frau war genau so gekleidet. Und: ich habe sie in all den Jahren nie lachen gesehen, ich habe ihn immer nur mit ihr herum bruellen gehoert. Die Dame auf den Bildern traegt erstens diese Tracht nicht, auch nicht die Frisur, sieht anders aus und lacht durchaus froehlich. Also das Gegenteil der Ehefrau von Menschhorn, wie ich sie erlebt habe. Da stellt sich die Frage, ob seine Frau gestorben ist, und er sich eine neue Partnerin gesucht hat (Scheidung halte ich in seinem Fall fuer voellig ausgeschlossen, das waere schon aus religioesen Gruenden nicht gegangen).
  Insofern waere es interessant zu wissen, ob er eine neue Gefaehrtin hatte (wobei ich davon ausgehe: wenn er nicht verheiratet war, hat er mit ihr eine sogenannte Josefs-Ehe gefuehrt, die war unter Neulaendern sehr beliebt, oft wurde diese Eheform auch gelebt, nachdem eine entsprechende Anzahl von Kindern gezeugt worden war).
  Was auf den Bildern auch nicht erkennbar ist: zu meiner Zeit, also als ich ihn erlebte, trug er eine Brille, die auf einer Seite (linkes Auge) mit Milchglas gefuellt war, was sehr, sehr martialisch aussah, und ihm einen zusaetzliche, fuer uns Kinder unheimliche, negative Ausstrahlung gab (es war, soweit ich wess, die Folge einer Kriegsverletzung - Granatsplitter oder so). Scheinbar hat er nach meiner Zeit die leere Augenhoehle mit einem Glasauge ausgefuellt und normale Brillen mit durchsichtigem Glas auf beiden Seiten getragen. Das suggerieren zumindest die Bilder.
  Ja, noch eine Frage: auf der Homepage, auf die Sie Texte von Menschhorn gestellt haben, steht als Todesdatum einmal 2006 und einmal 1993. Welche der beiden Daten ist richtig? Ich danke Ihnen jedenfalls sehr fuer Ihre Hilfe! Ich versuche, trotz allem dem Menschen Menschhorn in seiner Zwiespaeltigkeit gerecht zu werden. Sobald es im Herbst das Buch gibt, lasse ich Ihnen gerne eines zukommen, wenn es Sie interessiert. Mit besten Gruessen Michael Amon >


20110327
S.g. Hr. Amon, habe heute den Fridolin Text angesehen und es steht fest er hatte ein Janusgesicht. Aus dem folgenden Text^ ist es ersichtlich, dass er ein Gruender der Neulandschule war. Er fuehrte  in Bad Ischel  und auch Wien diese Schulen. Ich hoffe ich konnte damit ihre Arbeit unterstuetzen. H. Gr.
20110326 S.g. Hr. Amon, habe heute Ihr Mail entdeckt, ich war mit Fridolin Menschhorn ueber den Literakreis Schwarzatal einige Jahre bekannt. Ja es war eine echte Freundschaft von der ich literarisch sehr viel lernte, einige male habe ich ihn auch besucht in seinem Schwarzater Heim und dann im Soniorenheim. Er lebte mit einer Partnerin zusammen, er erzaehlte auch von seinen Sohn. Soviel ich in Erinnerung habe war er Heilpaedagoge. Alles was von und ueber ihn weiss ist vorwiegend ueber seine kuenstlerische Arbeiten.
  Geb. 1910 in Berndorf - Stadt, wohnhaft in Doerfl (an der Rax), Paedagoge i. R.: erster Preis des YMCA- Wettbewerbes (USA); Veroeffentlichungen im Monatsblatt des Bundes Neuland!!!!! und in Anthologien des Literaturkreises Schwarzatal, zahlreiche Lesungen. Gestorben im (Seniorenheim) Maria Enzersdorf (19939 2006. Vielleicht koennen Sie in den eingespielten Foto vom ihm eine Aehnlichkeit erkennen:
  Ich glaube aber mit dem Geburtsjahr 1910 und dem  Geburtsort Berndorf, und den Internatsarchiven ist feststellbar ob es sich um dieselbe Person handelt. Ich kann es mir schwer vorstellen, dass er der schlimmste aller Kinderquaeler und fast mit > vergleichbar war. Man kann aber in keinen Menschen hineinschauen und man kann sich auch taeuschen. Ich denke aber die Opfer im Kindesalter haben das Recht alles ueber Ihre Peiniger zu erfahren um damit ihre Schaedigungen abmildern zu koennen. Sollte es aber zweifelsfrei feststellen, dass der Fridolin der Fridel ist teilen Sie es mir bitte mit. Vorerst herzliche Gruesse und ein gutes Gelingen Ihrer Arbeit. H. Gr.

2011005 Betreff: Nachfrage F. Menschhorn Sehr geehrter Herr Wanderer! Ich arbeite derzeit an einem autobiographischen Roman ueber meine Internatszeit und dem damit verbundenen Missbrauch, insbesondere in Form von Gewaltausuebung und Gewalt mit sexueller Konnotation.
  Ich war acht Jahre (1960-1968) in der Neulandschule am Laaerberg. Zwischen 1960 und 1964 war ich auch zwei mal im Jahr je. ca. 6 Wochen im Bad Ischler Ableger, der von Friedl Menschhorn gefuehrt worden ist. Aber 1964 war Menschhorn (nach dem Tod der Gruenderin Anna Ehm) in Wien am Laaerberg Internatsleiter.
  Meine Frage: es deutet alles darauf hin, dass jener Fridolin Menschhorn, den ich auf Ihrer Homepage fand, und von dem Sie ausfuehrlich Gedichte und Prosa ins Netz gestellt haben, mit dem Internatsleiter Friedl Menschhorn ident ist.
  Eine der grossen Fragen, mit denen ich mich im Roman beschaeftige ist die, wie es geschehen konnte, dass eine Schule in der Tradition einer auch paedagogischen Erneuerungsbewegung nach dem Tod der Gruenderin Anna Ehm derart entgleisen konnte. Ich hatte Menschhorn ja bereits bei den Schullandwochen in Ischl kennen gelernt - und war entsetzt. Wir alle hatten Angst, wenn wir nach Ischl mussten, wo er der Leiter war. Ganz schlimm wurde es, als er nach dem Tod von Anna Ehm (er war, meines Wissens, mit einer Schwester von Anna Ehm verheiratet) in Wien an die Macht kam und am Laaerberg Internatsleiter wurde. Es war ein absolutes Schreckensregime, gepraegt von schwarzer Paedagogik, Gewaltausuebung in vielen Formen, verstecktem und offenem sexuellen Missbrauch. Menschhorn war der schlimmste Pruegler, den man sich vorstellen konnte. Es gab Praktiken, die gingen hin bis zur Folter. Bis 1964 (vor seinem Antritt in Wien) waren wir mit allen Lehrkraeften und Erzieher(inn)en per Du, es gab keine erhoehten Podeste in den Klassen etc. Mit seinem Antritt alues Internatsleiter wurde ber Nacht das DU-Wort abgeschafft, in den Klassen Podeste errichtet und Pruegel und Folter standen auf der Tagesordnung.
  Ich finde nun in den Texten einen anderen Menschhorn vor, und bin - offen gestanden - ratlos. Daher meine erste Frage: handelt es sich um die selbe Person (ich nehme an: ja)? Wenn ja: kennen Sie noch irgendjemanden, der authentisch ueber Menschhorns Lebensweg berichten kann? Gibt es etwa irgendwelche Berichte, was er in der Zeit von 1938 bis zur Errichtung seiner Neulandschule in Bad Ischl gemacht hat? Soweit ich weiss, war er bei der Wehrmacht eingezogen und danach eine Zeit lang in Kriegsgefangenschaft (amerikanischer, wenn ich richtig erinnere).
  Ich wuerde in meinem Roman gern der Person in ihrer Vielfalt und Widerspruechlichkeit gerecht werden, auch wenn es sich um einen Roman handelt. Ich moechte doch recht knapp an der Wirklichkeit bleiben. Die Form des Romans waehle ich vor allem deshalb, weil halt doch viel im Dunkeln bleiben wird. Wenn Sie mir weiterhelfen koennten, waere ich Ihnen sehr dankbar!
Mit besten Gruessen Michael Amon >

19920525 Doerfl: Die Schirmherrschaft, ueber die Formation Gipfel Buch kann ich nicht uebernehmen. Ich weiss ja fast nichts von der Vereinigung, war nie Mitglied und bin ein voellig unbekannter Mann. Ich stelle ja auch nichts vor und weiss nichts von Vereins - Angelegenheiten. Ich bin 82 Jahre und kann wegen Asthma - Bronchien und einem Kniegelenk - Ersatz nicht mehr in die Berge gehen. Bleiben wir trotzdem Freunde
  BERGWANDERUNG GESCHRIEBENSTEIN MUSIK & POESIE ZU EHREN VON FRIEDOLIN MENSCHHORN: ST. KUKULA MIT DER OEBM OEBLARNER BERG MUSIK & EVG F. GRANER, FGB B. MAYER , GASTGEBER JOHANN GLAVANOVITS NTV NATURFREUNDE START  AM SAMSTAG DEN 10. AUGUST 1996 UM 08:00 VOM GASTHAUS FREINGRUBER IN R E C H N I T Z  17 KM, ANREISE: RECHNITZ, BEZIRK OBERWART SUED - BURGENLAND ANMELDUNG, IMPRESSUM LEISTUNGSWERTUNG DURCH DIE EUROPAEISCHE VOLKSSPORT - GEMEINSCHAFT EVG VORSCHAU: 97 KRIPPELBERG -Bgld. 98 DUERRENSCHOEBERL Stmk.
19910501 Doerfl: Lieber Bruno! Immer wieder sehe ich Dich bei unserem letzten Treffen vor uns stehen, fast hilflos, bestrebt uns Deinen Text verstaendlich zu machen. Heute, an diesem regnerischen Tag haben meine Frau und ich Deine Texte durchgelesen. wir schaemten uns, weil wir sie bisher nicht genuegend beachtet haben und ihnen nicht die Aufmerksamkeit schenkten die sie verdienen.
  Gehe Deinen Weg weiterhin in die Berge! Vielleicht findest Du dabei, das was wir alle suchen. Sag es, wenn ich Dir helfen kann! Lieber Gruss Fridl.

Fridolin Menschhorn Ende Anfang



 
  MICHAEL   1927 - 1999  Ende >
BERGSCHUHE  Michael Bleier 
Meinen alten Wanderschuhen, die mich lange Jahre treu begleitet haben, gewidmet
  Ich  muesste ich dich eigentlich mit ihr anreden, denn du bestehst ja aus zwei  Teilen. Doch fuer mich bist du immer ein  Ganzes  gewesen, eine Person gewissermassen, obwohl du nur ein simpler Schuh  bist. Ich kann dich nicht einmal Bergschuh nennen, du bist ja ganz einfach gefertigt und hast sicher irgendwo in einer grossen Schuhfabrik das Licht der Welt erblickt. Du bist bestimmt serienmaessig hergestellt worden, viele seelenlose Haende haben an dir gearbeitet und zuletzt hat man dich zum Versand fertig gemacht. Du bist nicht in einem schoenen grossen Geschaeft zur Schau gestellt worden, nein, man hat dich willkuerlich in ein grosses Lager zur Auslieferung geschickt.
Und so kam es, dass wir uns einander kennenlernten, unser erstes Zusammentreffen war wirklich kein erfreuliches; ich bekam dich zwar ganz umsonst, aber unter duesteren Begleitumstaenden. Es war in der winzigen Kammer einer oeden, grauen Kaserne, wo ich dich in Empfang nahm, zusammen mit einem Pack von Uniform Stuecken, die man mir aufdraengte, ohne mich zu fragen, ob ich auch  Lust  haette, sie zu tragen.
  So ist es leicht verstaendlich, dass ich dir anfangs keinerlei Zuneigung entgegenbrachte,  ja ich betrachtete dich sogar mit Abscheu und Hass den ich personifizierte dich ohne weiteres mit all dem Schlechten, dass mich umgab. Doch ich lernte dich bald schaetzen und musste erkennen, dass ich dir bitter Unrecht getan hatte. Du hast mich bei der ersten Exerzier Uebung begleitet, wo man vergebens versuchte, meinen jugendlichen Feuergeist mittels sturer, geisttoetender Uebungen zu brechen und du schienst mir immer zu sagen:
Nur keine Bange, es wird schon einmal anders werden!
  So stand ich auf ziemlich sicheren Boden, als man mich dann zu einer kleinen Einheit abkommaaendierte, die in einer Wuesten hnlichen Ebene ein trautes Schlummer Dasein fuehrte. Dort wurdest du mir erst richtig Schutz und Schirm, in jenem bitterkalten Winter, wo uns ein irdisch gewordener Abgesandter der Hoelle im tiefen Schnee herum schleifte. Wie oft musste ich durch Wasser ueberflutende Felder marschieren, ich hatte zwar keine Stiefel, aber du, mein treuer Begleiter, warst immer da und deine vertraute Stimme raunte mir leise zu: Durchhalten, nur durchhalten!
  Du warst auch bei mir, als die Hoelle losbrach, das Inferno, welches diese barbarische Tyrannei beenden sollte. Du halfst mir bei meinem Entschluss zu fliehen und erinnerst du dich noch an jenen gespenstischen Marsch, als wir beide mutterseelenallein durch die hallende Nacht wanderten, hinter uns die brennenden Doerfer und das Grauen und vor uns die Ungewissheit des Kommenden? Beinahe waerest du damals allein geblieben und dein Besitzer waere schmaehlich zu Tode befoerdert worden, doch er besass Geist und Findigkeit genug, den dunklen Absichten vager Existenzen zu entrinnen. Doch dein Leder war noch hart und ungefuegig, so schlugst du mir auf dem weitem Weg schmerzende Wunden und ich bereute es fast, meine eigenen Schuhe zurueckgelassen zu haben.
Doch wie frohlockten wir beide, als wir der Knechtschaft entflohen und wieder frei waren! Leider wurden wir dann bald enttaeuscht und es erging uns immer schlechter. Du bekamst deiner ersten Sorgenfalten und dein Herrl, der wusste auch nicht mehr wo der Kopf stand.
  Es muss etwas geschehen, so sagtest du damals zu mir und ich folgte dir. Wir packten uns kurzentschlossen zusammen und fuhren los. Nach langer Irrfahrt landeten wir schliesslich auf einem kleinem Bergbauerhof, wa sich dann dein armer Eigentuemer in schwerer Arbeit sein muehseliges Brot erwarb. Dort traf uns die erste Katastrophe: Der krumme Ackerboden tat deinen geschwaechten Sohlen nicht gut und eines Tages begannen sie sich langsam aber sicher aufzuloesen. Das hatte entsetzliche Folgen fuer mich, denn du musstest nun zum Schuster und ich hatte keinen Ersatz fuer dich. Ein biederer Schustermeister erklaerte sich schliesslich gegen Spendierung eines kraeftig gewachsenen Hahnes bereit, dich neu zu besohlen und ich erhielt zwei alte Schlapfen aus steinhartem Leder, mit denen ich nun in der Folgezeit vorlieb nehmen sollte. Ich konnte mit ihnen auf den schraegen Feldern kaum stehen und musste dennoch weiterarbeiten mit zusammengebissenen Zaehnen und die Fuesse voller Blasen. Wie freudig hatte ich dich dann begruesst, als du zurueckkehrtest in deinem neuem Kleid und wie freudig haben wir mitsammen geschafft! Die ganze Woche mussten wir schwer arbeiten, doch am Sonntag, da stapften wir weit umher, bis hinunter in das Burgen gekroente Land jenseits der Grenze. Du bliebst auch bei mir, als wir dann in die Stadt zurueckkehrten und fuer lange Zeit warst du mein einziges Paar. Wie neidisch blickte ich oft auf die schoen geformten Halbschuhe eleganter junger Herren, die so leichtfuessig dahin prominierten und voll Verachtung auf dein derbes Aeussere herabblickten. Wohl traeumte ich oft davon, auch einmal so dahinzuschreiten, doch vorlaeufig war ich noch gluecklich in deinem harten, festen Leder.
  Es war in jener schweren Zeit, als meine Liebe zu den Bergen wieder erwachte, die mich in frueheren  Jahren so oft und viel in den heimatlichen Wald gefuehrt hatte und nun zu neuen Taten rief. Weisst du noch von jenem denkwuerdigen Osterausflug, wo wir in einem Zuge zum Peilstein marschierten? Es war wie ein Fruehlingserwachen und eine neue herrliche Zeit begann fuer uns. Wie viel sind wir damals herumgestrolcht in der Umgebung unserer Heimatstadt und haben mitsammen so viel Schoenes entdeckt und gesehen?  Der Rucksack war leer und desgleichen der Geldbeutel und ein zehrendes Hungergefuehl nagte dauernd im Magen herum, doch was  kuemmerte uns das schon? Und der erste Urlaub, als wir trotz des Schlechtwetters in die Berge fuhren! Erinnerst du dich noch an die verhaengnisvolle Ueberquerung der Rax im dichtesten Nebel, wo wir beide jaemmerlich froren? Wie zum Hohn lachte dann die Sonne hernieder, als wir ins Tal abstiegen. Wir gingen den Toerlweg hinunter und der spitze Stein schlug gegen deine  duennen Gummisohlen. Sie loesten sich zuletzt und flatterten wie zwei lustige Fahnen links und rechts im Wind! Doch dein geplagter Besitzer liess sich keineswegs aus der Ruhe bringen, er hatte einen genialen Einfall: Er durchloecherte deine wunden Seiten  und knuepfte dich mit einem Bindfaden wieder fest. Schoen sah es nicht aus, und die Leute in der Bahn warfen uns sehr missbilligende Blicke zu, doch wir kamen verhaeltnismaessig heil nachhause. Du bekamst einen neuen amerikanischen Doppler und wie viele Kilometer hast du mich darauf brav getragen? Wir machten so viele schoene Touren  und du hast mit  mir  genossen und geschwelgt, doch auch geduerstet,  geduldet und gelitten unter den vielen Strapazen. Wie stoehnte ich wegen deines schweren Gewichtes in der grossen Hitze und wie dankbar war ich fuer deinen warmen Schutz im Winter. Aber sie war doch schoen, herrlich schoen, diese Zeit in der ungestuemen Jugend, voll Idealismus und voll Freiheit. Wir glaubten damals noch, dass die Welt gut sei und waren voll froher Hoffnung. Doch wir sind nun aelter geworden und das Leben hat uns viele Narben geschlagen.
  Da faellt mir das Hocheck ein, jener interessante Pfingstausflug, wo es abwechselnd auf uns herunter regnete oder hagelte. Dann schien wieder die Sonne und kleine, unschuldige Woelckchen zogen friedlich dahin. Und als wir dann auf der staubigen Landstrasse dahintrabten, riss ploetzlich ein grausamer Stein ein Stueck aus deiner Sohle. Ich erschrak darueber sehr, denn du musstest noch bis zum Urlaub aushalten. Deine Wunde wurde damals nur notduerftig geflickt und ich hatte Angst, du wuerdest mich bei meiner grossen Sommertour im Stiche lassen. Doch du hast mich angenehm enttaeuscht, du hieltest eisern aus, als wir dann tagelang in der gruenen Mark herumwanderten. Wir schlossen Freundschaft mit den sanften, weich bemoosten Wegen, die dort den Wanderer empfangen und die die Sohlen nur streicheln und liebkosen, anstatt sie zu verletzen. Wir entzueckten uns an der anmutigen Landschaft und schworen ein heimliches Wiedersehen. Du kamst ganz abgetreten zurueck von diesem wundervollen Urlaub und die meisten Schuster haetten dich veraechtlich in die Abfallkiste geworfen. Doch ich kannte einen Juenger dieser ledernen Kunst, der noch ein Herz im Leibe hatte und sich liebevoll deiner annahm.
  Als Belohnung fuer die ueberstandenen Strapazen bekamst du ein besonderes Geschenk: Echte Mamut Sohlen, die dich im Winter vor allen Unbilden der Witterung schuetzen sollten. Du warst direkt verjuengt, als du von der Reparatur kamst, die neuen Sohlen standen dir ausgezeichnet und du hattest an Form und Harmonie nur gewonnen. So freuten wir uns schon auf den Winter, wo wir dann auch praechtige Ausfluege in den tiefverschneiten Wald machten. Voll Selbstvertrauen blickten wir dem Fruehling entgegen und als die ersten zarten Blaetter sprossen, machten wir uns schon wieder auf die Beine.
  Doch jetzt kommen wir zu einem duesteren Datum: Pfingsten 1950. Trotz des veraenderlichen Wetters fuhren wir wieder einmal fort und die Reisalpe war diesmal unser Ziel. Noch waehrend wir im Zug sassen, regnete es in Stroemen und ich blickte besorgt auf dich hinunter: Wuerde dein alter Organismus auch die viele Feuchtigkeit aushalten? Der Regen hoerte dann auf und der Wind trieb sein launisches Spiel mit den Wolken, als wir langsam bergan stiegen. Der nasse Weg begann dein Leder aufzuweichen und ich hegte schon grosse Befuerchtungen fuer deine unmittelbare Zukunft. Doch Gott sei Dank wurde es dann trockener und als wir bald darauf auf einer einsamen Lichtung im Sternenglanz die majestaetischen Berge rundherum betrachteten, waren alle Sorgen vergessen. Der Aufstieg zum Gipfel am naechsten Morgen und die Fernsicht oben zaehlt zu den schoensten meiner Wanderzeit. Leider veranlassten drohende Regenwolken, frueher als geplant abzusteigen und auch der grandiose Ausblick auf die steirische Bergwelt, die sich vor meinen Blicken ausbreitete, konnte mich nicht troesten. Auch du stoehntest ganz vernehmlich und ich glaubte sogar einen leisen Ton der Angst herausgehoert zu haben. Sie war nicht ganz unbegruendet, denn bei Gscheidboden begann es in Strormen zu regnen. Gluecklicherweise fanden wir in einer Heuhuette Zuflucht, wo sich auch einige andere durchwaesserte Touristen einfanden. Bei diesem Wetter war an eine Ausdehnung der Tour auf den naechsten Tag nicht zu denken, und so stieg ich, als der Regen nachliess, zur Klosteralpe hinauf, um nach Lilienfeld zu gelangen. Es wurde ein wahrer Todesmarsch. Der Steig war voellig aufgeweicht und es war ein wirkliches Martyrium, vorwaerts zu kommen. Noch dazu setzte der Regen mit neuer Staerke ein und sein monotones Rauschen blieb nun fuer Stunden mein unerwuenschter Begleiter. Mein Koerper war durch das umgehaengte Zeltblatt ja verhaeltnismaessig gut geschuetzt, doch auf dich troff es unaufhoerlich hernieder. Deine Kummerfalten wurden immer tiefer und das Wasser begann dein schutzloses Leder zu zersetzen. Dann entrang sich dir ein schmerzlicher Schrei und mit Entsetzen sah ich, wie deine rechte Spitze aufriss und das Wasser gierig ins Innere stuerzte, um dann neckisch meinen Fuss zu bespuelen. Wie gerne haette ich mit dir gerastet, doch wir mussten weiter, um endlich ins Trockene zu gelangen. Das letzte Stueck  des Weges war nur mehr eine schlammige  Masse und du verlorst darauf den Halt, was einige unfreiwillige Saltos deines  Herrls verursachte. Doch ich war dir nicht boese, du konntest ja nichts dafuer, du warst ja selbst am Ende. Als ich dann nach einem mehrstuendigen Gewaltmarsch (dessen letztes Stueck ich laufend zurueckgelegt hatte) den Bahnhof erreichte, botest du einen traurigen Anblick.
  Im Zug  drueckten wir uns schnell in eine dunkle Ecke, aengstlich bemueht, dein herab gekommenes Aussehen vor jedem zu verbergen.  Nur als wir dann in Wien mit der hell erleuchteten  Strassenbahn fuhren, sah dich ein grell geschminktes Maedchen und machte zu ihren Begleiter eine abfaellige Bemerkung. Das tat uns beiden sehr weh und ich glaube, du kraenkst dich heute noch darueber.
  Nach dieser unheilvollen Tour standest du lange in einer abgeschiedenen Ecke und glaubtest schon, ich sei dir gram. Wie hast du aufgejubelt, als ich dich eines Tages hervorholte und zum Schuster trug! Du wusstest, dass du mich wieder begleiten wuerdest auf meinen verwegenen Fahrten. Diesmal stand der Schoepfl auf dem Programm, nach dem wir uns schon zwei Jahre sehnten, Doch O Schreck! Der ungetreue Schuster liess dich vierzehn Tage liegen und als ich dich holen wollte, hatte er mit der Arbeit noch gar nicht angefangen. Wutentbrannt entriss ich dich seinen Haenden und trug dich in eine Schnellreparaturwerkstaette, wo du dann bis zum naechsten Mittag sorgfaeltig geflickt und genaeht wurdest. Zwei Stunden vor meiner Abfahrt des Autobusses holte ich dich, und als wir nachher losfuhren, war alles Eitel und Wonne. Es wurde ein koestliches Wiedersehen, das wir auf dem Schoepfl feierten, umgeben von der zauberhaften Anmut des Wienerwaldes und begleitet von den schrillen Schreien der Rehe. Dort war es auch, wo ich den Entschluss fasste, dir, meinen treuen Begleiter, einen ehrenden Nachruf zu widmen, wenn du dereinst den Weg alles Irdischen gegangen sein wirst.
  Nach diesem wundervollen Ausflug hieltest du nur kurze Rast, du hattest kaum Zeit zum Verschnaufen und dann gingen wir wieder auf Urlaubstour. Ich  war sehr  besorgt  um  dich  denn  langsam  machten  sich bei dir schon Alterserscheinungen   bemerkbar und eine so lange Tour war ein bisschen viel fuer deine geschwaechte Gesundheit. Ich waere gern mit neuen Bergschuhen losgezogen, aber das liebe Geld fehlte wieder einmal wie schon so oft nahm ich zu dir Zuflucht.
  Es wurde trotzdem schoen. Die Steiermark empfing uns mit ihren gruenen Kathedralen und leuchtenden Bergen. Du hieltest auch brav Schritt, nur nach einem kunterbunten Abstieg vom Duerrenstein begann sich deine Sohle zu lockern und nur ein biederer Schustermeister in Goestling rettete dich vor aergerem Schaden. So konntest du teilnehmen an der stolzen Schoenheit des Hochkars und mit mir jene gottvolle Stunde auf dem Gipfel verbringen, in der unsere Herzen zum Himmel zu schweben schienen und laut jubilierten, beglueckt ueber soviel Schoenheit und Harmonie. Du trugst mich hinueber bis zum Hochschwab und fuehltest dich schon so sorglos und siegessicher, als ploetzlich ein orkanartiges Gewitter hernieder droehnte und sich stundenlang auf die unschuldigen Berge ergoss. Als wir am naechsten Morgen weiterwanderten, klebte die Naesse an deinen Sohlen und frass sich langsam in dein muerbes Leder. Du sagtest nichts und klagtest auch nicht, doch ich weiss es genau, dass dir damals jeder Schritt weh tat. Nur als du zu stoehnen begannst, wurde ich aufmerksam und dann sah ich die Bescherung. Ein breiter Riss klaffte an deiner rechten Seite und deine Eingeweide lagen bloss, das war nun bitter. Und doch gab es einen Lichtblick: Erinnerst du dich noch an die nette Grazerin, die so viel Anteil an deinem harten Schicksal nahm? Wir wollen ihr ein ehrendes Andenken bewahren. Du musstest dich bis Muerzsteg gedulden und ich hatte immer Angst, dass du inzwischen in Stuecke zerfallen wuerdest. Doch du hieltest brav durch und dort nahm dich ein guter Schuster in die Arbeit. Wie wohl fuehltest du dich in seinen geschulten Haenden und bald war deine Wunde geschlossen und vernaeht. Du warst trotzdem schwer angeschlagen als wir nach Hause kamen. Du hast mich noch getreulich begleitet in diesen Sommer und viele Sonntage haben wir miteinander im Wald verbracht. Aber du bist nicht mehr so wie einst, oft geht ein leises Aechzen durch deinen Koerper wie bei einem altem, knorrigen Baum, der lange dem Sturm getrotzt hat, bis er dann eines Tages beim leisesten Windhauch jaehlings nieder bricht. Und so koennte es dir eines Tages gehen, alter Freund! Doch ich moechte dir ein so unruehmliches Ende ersparen und darum stehst du schon lange in deiner stillen Ecke. Du bist mir auch gar nicht boese, den du verstehst mich, und du traeumst von schoenen, vergangenen Zeiten.
  Nur heute habe ich dich hervorgeholt, um Abschied von dir zu nehmen. Man trennt sich nicht so ohne weiteres von einem lieben Kameraden. Du solltest nicht vermodern in einer dunklen Kammer oder vielleicht gar eifersuechtig sein auf deinen Nachfolger. Nein, noch einmal sollst du die Sonne sehen, die wir beide so geliebt haben.
  Lass dich einmal ansehen, Freund? Du bist noch ganz der alte. Wenn man die Staubschicht wegblaest, kommen die lieben, vertrauten Zuege wieder zum Vorschein. Nur ein bisschen runzeliger bist du geworden und ein weises Laecheln eines Wissenden, der viel Schoenes gesehen hat, der den Tod nicht fuerchtet, sondern milde erwartet. Aber ich spreche zu dir wie zu einem Menschen und du bist ja nur ein Schuh, ein alter, zerrissener Schuh. Vielleicht bist du ein wesenloser Gegenstand, ohne Gefuehle, ohne eigenes Erleben, ohne Seele? Vielleicht traeume ich das alles nur?
  Doch da faellt ploetzlich ein heller Sonnenstrahl auf dein morsches Leder, das gegerbt ist von Sonne, Wind und Regen. Ein Laecheln geht ueber deine alten Zuege, voll seliger Erinnerung. Und dann sagst du ploetzlich mit deiner mueden, gebrochenen Stimme:
  Weisst du noch, damals? Ja, ich weiss noch. Alle Erinnerungen werden wieder wach, an kuehle, duftige Sommertage, an zarte Knospen im Fruehling, an das wehmutsvolle Fallen der Blaetter im Herbst. Erinnerst du dich noch an die zauberhaften Spaziergaenge im verschneiten Wienerwald? Wenn wir dahinschritten auf einen weichen, flaumigen Zauberteppich, hinein in ein weisses Maerchenreich, wo die Elfen tanzen und seltsame Lieder singen.
  Erinnerst du dich noch an die einsamen Naechte im Wald, an das schwebende Mondlicht zwischen den dunklen Staemmen und das Gurren der Waldtaube? Und die vielen entzueckenden Plaetzchen, die wir entdeckten und wo wir schoene Stunden verbrachten?
  Ich sehe sie alle noch vor mir, unser kleines Koenigsreich auf dem Eisernen Tor, die wunderschoene Lichtung auf unseren Hausberg, dem Lindenkogel, die einsame Einoedkuppe, wo man so schoen traeumen konnte und den versteckten Marienfels, wo ich an langen Sonntagen manch gutes Buch gelesen.
  Ja es war schoen! Du hast mit mir die anstrengendsten, die haertesten und einsamsten Stunden meines Lebens geteilt, und wir wissen heute beide, dass es die schoensten waren, denn in dieser Zeit, da gehoerten wir uns noch selbst, wem aber werden wir morgen gehoeren?
 
Doch es ist spaet und die Muecken schwirren um die helle Lampe. Du sehnst dich sicher schon zurueck nach deinem Ruheplatz, du willst nicht mehr im grellen Lichte stehen. Das ist vorbei fuer dich, endgueltig vorbei. Und darum lass uns Abschied nehmen. Du bist immer mein bester Kamerad und treuester Freund gewesen und ich glaube, du hast auch mich ganz gerne gehabt. Also, ich sage dir adieu, und - ich danke dir !

MAN MUSS ES EINMAL MITERLEBEN
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  Wenn so ein langer Sommertag zu Ende geht. Die Strahlen der Sonne werden schwaecher und verhuellen sich in rotgluehende Wolken. Und dann nimmt der Tag leise seinen Abschied, so still und inniglich wie er gekommen ist. Die Sonne verblutet im Westen, ihre sterbenden Strahlen kuessen noch einmal die Blumen und liebkosen die schlanken Graeser. Die Konturen der Berge werden blasser und verschwimmen langsam in einem sanften Blau.
  Buchauszug (Neuerscheinung), Die bunten Farben des Lebens- Traeumerei, Menschen auf meinem Weg, besondere Staetten, Sprache - geliebtes Phaenomen. Ein neues Buch meines Freundes Michael, ISBN 3-9012-6505-8 Verlag Autoren Glaube und Welt, Weilburgstr., 18 A-2500 Baden.
 
VERMAECHTNIS 1999 >
  Ich kann es nicht fassen, dass gerade immer die Guten und Unschuldigen buessen sollen, was einige groessenwahnsinnig gewordene Taugenichts aushecken, die in Ermangelung einer ehrlichen Beschaeftigung lieber mit dem Pulverfass der Politik spielen, bis dann der zuendende Funke springt und eine ganze Welt in Brand steckt.  Auszug aus In memorian
WERKVERZEICHNIS  
Abschied vom Wienerwald Das verlorene Leben
BERGSCHUHE^ Lichtsucher
Angst Liebesbrief an Wien
Begegnung Marienfels (Buch)
Brief an eine Pharmazeutin
Im Memorian
Brief an meine Schreibmaschine (Buch) Miri (Buch)
Buecher Nachruf an einen treuen Freund
Enntal Episode Nocturno (Buch)
Finale (Buch) Liebes, kleines Oeblarn
Funken (Buch)
Quo vadis Menschheit
Gang in den Abend (Buch) Ueber den Unfug des Rauchens
Gedanken (Buch)
Rosen (Buch)
Gedanken ueber das Anziehen Ueber das Schreiben (Buch)
Gedanken ueber den Film Hamlet
Soviele Sprachen so oftmals ist man Mensch
Die geistige Nivellierung des modernen Menschen
Im Stadtpark (Buch)
Gibt es einen freien Willen Streiflicht (Buch)
Der heilige Klang (Buch)
Traeumerei
Herbstwald (Buch)
Von der Steinitis zur Libritis
Die kleine Stadt (Buch) Wintermaerchen
BIOGRAPHIE
  Kein Geld fuer Studium (Welthandel oder moderne Sprachen), ich lernte dann im 24.Lebensjahr vier Jahre Schriftsetzer, begann zu schreiben und eignete mir eine Fremdsprache nach der anderen an, um aus der Provinzialitaet herauszukommen. Dann ging ich ins Hotelfach und bin ziemlich weit herumgekommen. Die meisten Texte liegen seit 35 Jahren unveroeffentlicht in der Schublade.
Zahlreiche Reisen beruflicher und privater Art fuehrten ihn in das Ausland, vor allem in den Sueden aber auch nach Skandinavien. Spaeter war er dann in der Modebranche und im Buchhandel taetig, doch fortwaehrend gab es Veroeffentlichungen; in der Deutschen Presse in Kanada, in Zeitschriften, Anthologien und Buechern, zahlreiche Lesungen im In - und Ausland. Unter andern war er auch im Literaturkreis Schwarzatal eingeschrieben. Mike war ein Sprachgenie, er konnte sich in 5 Sprachen perfekt artikulieren und seine Literatur ist von einer hervorragenden Ausdrucksfaehigkeit, er war ein Vollblut Prosaist und blieb seiner Berufung zum Schreiben sein ganzes Leben lang verbunden.
  Es war ein kleiner ueberschaubarer Literaturkreis im Schwarzatal wo wir zusammen eine gemeinsame Zeit verbrachten, und uns unseren Neigungen widmeten. Heute habe ich seinen Nachlass aufgeschnuert und die Bergschuhe, wie schon einst fuer den Wanderer, nochmals abgeschrieben. Damals wollte ich ein Bergschuhdenkmal auf dem Weissrinnspitz > errichten, doch daraus ist, wie so Vieles was man sich im Leben oft vornimmt, nichts geworden. Nun muss ich aufpassen, dass sich nicht unbewusst seine Art zu schreiben in mir niederschlaegt, wie es bei einigen Nekrologien teilweise schon der Fall war. Deshalb hoere ich auf und schliesse auch sein Schriftwerk, dem ich im chronologischen Sinn ein neues Ordnerkleid  verpasst habe in der Hoffnung, dass auch nach mir noch einige daran Begeisterung und Freude finden.
Michael Bleier Ende Anfang


 
Stefan  1929 - 2005 Ende

STECKBRIEF
STEFAN SCHEFBERGER geb. 29.12.1929 in Schattendorf (Bgld.), +30.11.2005 in Wiener Neudorf  Baupolier , Alpinist, Zeichner, Maler, Literat. Bergfreund und Autor der >
Lesungen am: >>, >, Schiesseck >, Krippelberg >, Knallstein >, Geschriebenstein >, Grimmingtor >, Waidhofsee >. Beitraege und Graphiken im > und in dem WANDERER- Nr.: 10, 8/1, 8/2, 16
  Ausstellungen mit Zeichnungen, Aquarellen und Oelbildern - in Schattendorf, in Wiener Neudorf, Buecher- und Schriften - Illustrator. Veroeffentlichungen von Prosa und Lyrik in Anthologien und Zeitschriften, Lesungen bei Veranstaltungen des Literaturkreises Schwarzatal^. Er zeichnete schon in seiner Schulzeit sehr gerne und verwendet Bleistift, Buntstift und Tusche und beschaeftigt sich mit Aquarell - und Oelbilder. Seine Motive sind Landschaften , Gassen - und Strassenzuege sowie Gebaeuder, weiters zaehlen Portraits und Tierbilder zu seinen Werken. Seine erste oeffentliche Ausstellung fand in seiner Heimatgemeinde statt. Ferner illustrierte er die Buecher Der Jahresbaum, weiteres Buntes aus dem Schwarzatal, des Literaturkreises Schwarzatal, wo er auch selbst Mitglied ist, sowie Hueben und Drueben von Lydia Perger. Ausserdem ist er Verfasser von Gedichten in Mundart und Hochsprachen und von Schriften ueber Natur Kunst Wissenschaft und Gesellschaft.
Vorbei die karge Winterzeit >

Der Fruehling zieht ins Land,
Die Reben Schneider sind bereit,
Man schneidet mit flinker Hand. 19900224

Die Reben stehen voll in Saft >

Ein Lueftchen streicht darueber,
In den Trauben reift die Kraft
Vorm Kreuz gleich gegenueber.

Von fruehren Tagen traeum ich hier,
Im Walde kraechzt ein Rabe
Und Sehnsucht brennt in mir.
Was ich versaeumt wohl habe?

Fremd ist mir mein Heimatort
Die Erinnerung laesst erstehn,
Bin Dreissig Jahre doch schon fort,
Wies frueher war - so schoen. 19900811 08:00 
Der Senior vom Oedstein > Korres >
Das Glockner Gipfelkreuz gez. bei 1. Besteigung  02.09.1988
von Stefan Schefberger meinem Bergfreund Bruno gewidmet
.

 Unser aeltester Bergfreund ist, Stefan Schefberger, er hat heute hier am Oedstein eine hervorragende Leistung vollbracht. Sein Gipfelkampf war am haertesten, denn einen Teil seiner Energie hat er vorher ungewollt in den Teufelszahn investiert.
  Eine besondere Leistung moechte ich gerade nicht sagen, aber als der Aelteste der Gruppe ist es klar, dass man schon etwas an den Kraeften zerrt. Ich hatte Pech; als die Burschen schon weit voraus waren, da bin ich vom Weg abgekommen und habe mich auf einen wilden Turm hinauf verstiegen.
Eine Stunde bin ich dort herum gestiegen und nur ganz schwer wieder hinab gekommen. Beim Abstieg habe ich mir die Finger aufgerissen, deswegen das Blut an meinen Haenden. Meine Anstiegszeit betraegt nun einschliesslich der Pausen; sechs Stunden, das ist keine hervorragende Zeit, trotzdem war ich bei meiner Ankunft sehr erschoepft. Aber nun habe ich mich schon etwas erholt und bin gluecklich, dass ich trotz meines Fehltrittes, noch geschafft habe den Gipfel des Grossen Oedsteines zu besteigen. Berg Frei!, heisst mein Beitrag, zu dieser Feierstunde.  Im Jahre 1981; ist mir einmal etwas ueber das Bergwandern eingefallen und daraus wurde ein Gedicht.
BERG FREI

Berg frei! Das heisst wandern durch Wald und Flur,
Von einem Ort zum andren in freier Natur.
Berg frei! Ueber Taeler und Huegel hinaus in die Welt,
Lass schiessen die Zuegel wohins dir gefaellt.
Berg frei! Steig auf bewaldete Hoehn frei ist die Luft,
Wirst sehn er ist schoen der harzige Duft.
 
Berg frei! Und hinauf zu den Almen und Wiesen,
Vorbei am springenden Quell.       
Das sollst du geniessen sei ein froher Gesell.
Berg frei! Und weiter steige, weiter bergan,
Wo noch gedeihen Flechten und Moos
Und Bergfreund das Glueck dann,
Dass dir winkt das ist gross.

Berg frei! Und bist du dann oben schon im Urgestein
Wird Sturm dich umtoben
Doch frei wirst du sein. Berg frei!
Im ewigen Eise und im Gletscherschnee
Vollendt sich die Reise
Der seelische Druck ist passe.
Berg frei! Die Kroenung der Freiheit
Der Gipfelsieg zum Schluss
Unvergessen fuer alle Zeit
Durch den Bergsteigergruss Berg frei!
  Der Oedstein ist wunderbar, wenn ich es gesundheitlich und leistungsmaessig schaffe, besteige ich ihn vielleicht noch einmal, aber dann etwas weniger unter Zwang ruhiger und eventuell mit einer Biwakierung.
DAS GEBET DES WALDES

Menschen, ich waerme euer Heim, gebt acht!
Bei Schnee und Sturm in eisger Winternacht.
An heissen Sonnentagen spend ich euch Schatten,
Sonst muesstest ihr in der Sonnenglut braten.
Die Staette des Quells bin ich auch die euch labt,
Bei mir schoepft ihr Kraft, wenn ihr ganz verzagt.
Ich schuetze euch vor des Sturmes Gewalt,
Ein anderer kann das nicht so bald.
 
Auch Lawinen und Sturzbaeche bremse ich ein,
Sonst kaemen sie bis in eure Stuben hinein.
Die Daecher eurer Haeuser trage ich wohl,
Keine Schneelast und Regen hindurch dringen soll.
Das Brett eures Tisches kommt auch von mir,
Ich brauche keinen Dank von euch dafuer.
 
Das Bett in dem ihr schlaft, auch das bin ich,
Es dient nicht nur zum Ruhen allein sicherlich.
Das Holz aus dem ihr Schiffe baut,
Mit staehlerner Axt, aus mir wird gehaut
Und auch euer hoelzerner Hauenstiel,
Auf Feldern in Gaerten geschieht damit viel.
 
Die Tueren eurer Huetten, des Sarges Holz
Kommt auch von mir, ich sags ohne Stolz
Und nun meine Bitte, sie sei wohl erhoert:
Denkt darueber nach, eh ihr mich zerstoert

NOVEMBERLIED OHNE NOTEN

Nebel ueber dem Land
Durchdringt mein Gemuet,
Keine letzte Blume als Pfand
Nicht eine Rose mehr blueht.
 
Einsam mein Herz
Duester wie die Welt
Stiller, stummer Schmerz
Wenns letzte Laub faellt.
 
Bald rieselt der Schnee
Die Kaelte kriecht hoch,
Voll trauriger Traenen ein See,
Eine Hoffnung bleibt noch.
 
Ist wo ein schlagendes Herz
Das selbstlos kann lieben?
Sonst zerbricht meines vor Schmerz
Weil nichts mir geblieben.
19820109, im > (Druckausgabe) Seite  70/B

LUG, TRUG und TOD

Schnee niederfaellt
Bleich wie mein Gemuet,
Leichentuch der Welt
Nichts was noch blueht.
 
Ringsum sterbende Natur,
Ich leide seelische Not
Eines bewegt mich nur
Grundtiefer Hass und Tod.
 
Mein Herz fast zerbrochen
Durch Falschheit und Lug,
Kalt bis in die Knochen
Traf mich der Betrug.
 
Was kann ich noch machen?
Als traurig vergessen
Das zaertliche Lachen
Das von ihr ich besessen.
Nov. 1982, im > (Druckausgabe) Seite  70/D
Stefan Schefberger   Anfang

                                 
Ende
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