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    Der ultimative Okulartest 7mm Nagler vs. 7mm Speers Waler

    Hallo Astrogemeinde,

    ich möchte hier einen Okulartest zwischen einem 7mm Tele Vue Nagler (Typ 1) und einem 7mm Antares
    Speers Waler präsentieren. Beide Okulare besitzen dieselbe Brennweite, haben einen 1,25 Zoll Anschluss
    und ein 80° (Speer Waler) bzw. 82° (Nagler) großes Gesichtsfeld (Herstellerangabe). Die Vergütung auf
    der Augenlinse schimmert bei beiden Okularen leicht grünlich, wobei das Nagler das etwas intensivere
    grün hat. Mein Dank gilt Wolfgang, der mir sein 7mm Nagler für den Test zur Verfügung stellte.

    Getestet wurde an einem 8? f/6 Dobson unter Großstadthimmel (Bortle 8). Die Durchsicht war eher mäßig,
    da der Himmel voller Zirren war. Das Seeing war gut bis mäßig. Als Objektauswahl kamen der Mond,
    Jupiter, M3, M13 und einige Doppelsterne zur Auswahl. Bei Gelegenheit werde ich den Test nochmals
    unter besseren Bedingungen durchführen.

    Hier zunächst einmal die nackten Fakten vom wiegen und messen.

    Daten

    7mm Nagler

    7mm Speers Waler

    Gewicht

    195 Gramm

    475 Gramm

    Größe

    7,5 cm

    15 cm

    Größe der Augenlinse

    15 mm

    26 mm

    Eyepiece Field Stop Diameter (EFSD)

    9 mm

    10 mm

    Wie man auf dem Bild unschwer erkennen kann ist das Antares Speers Waler (links) doppelt so groß und
    2.5x so schwer wie das Tele Vue Nagler (rechts). Die beiden Okulare unterscheiden sich also recht
    deutlich in ihren Ausmaßen. Werden sie sich auch in ihren optischen Leistungen so deutlich unterscheiden?

    Zunächst einmal die Herstellerangaben:

    Daten

    7mm Nagler

    7mm Speers Waler

    Scheinbares Gesichtsfeld

    82°

    80°

    Vergrößerung (V) bei F=1200mm

    171x

    171x

    Austrittspupille (AP)

    1,2mm

    1,2mm

    Eye Relief

    10mm

    12mm

    Wahres Gesichtsfeld*

    0,43°

    0,48°

    Unverbindlicher Preis

    ~ 200 Euro

    ~ 119 Euro

    * nach der Formel Wahres GF = 57.3 * EFSD/Brennweite Teleskop berechnet.

    Sehr interessant ist natürlich die Frage ob das Speers Waler 7mm oder 7,5mm Brennweite besitz. Die obige
    Tabelle geht von einer Brennweite von 7mm aus. Wären es 7,5mm so ergeben sich leicht unterschiedliche
    Werte (V = 160x, AP = 1,25 mm). Dieser Sachverhalt musste also genauestens getestet werden.

    Hier nun die Ergebnisse meines Tests. Ich werde ihn zunächst verbal beschreiben und ihn dann versuchen
    tabellarisch zusammen zufassen. über allem steht natürlich die Aussage bzw. Frage ob der 2 fache
    Preis des Naglers wirklich gerechtfertigt ist?
    Ich möchte noch einmal betonen das der Test an einem f/6
    Fernrohr stattfindet. Alle Aussagen, insbesondere die der Randschärfe, beziehen sich also auf dieses
    öffnungsverhältnis. Keine Aussagen können darüber gemacht werden, wie die Okulare bei f/5, f/4.5 oder f/4
    abschneidet. Ich bitte das zu beachten. Da jedoch die Randschärfe bei einem großen öffnungsverhältnis
    immer unkritischer wird, gelten die Ergebnisse für f/6 durchaus auch für f/8, f/10 oder gar f/15.

    Ich werde die Bewertung in der Tabelle anhand von Schulnoten vornehmen, also eine 1 für sehr gut und eine
    5 für mangelhaft. Wobei bei solch hervorragenden Okularen eine 4 oder 5 nicht vorkommen darf. Da diese
    Abstufung jedoch sehr grob ist, werde ich noch + und -, also z.B. 2+ oder 1- einführen, dadurch können
    die Okulare besser bewertet werden.

    Zu Beginn maß ich den Fokusierweg der Okulare im Bezug auf das 9mm Skywatcher Okular. Hier zeigte
    sich das das Speers Waler seinen Fokus recht weit innen hat, nämlich 10mm weiter innen als das
    Vergleichsokular. Das Nagler hingegen hat den Fokus weiter außen, um 6mm weiter als das Skywatcher.
    Die Verarbeitung ist bei beiden Okularen sehr gut, wobei beide Okulare unterschiedliche Augenmuscheln besitzen.
    Die Augenmuschel beim Nagler ist sehr weich und umschließt die gesamte Augenlinse, während die Augenmuschel beim Speers Waler härter ist und nur einen Teil der Augenlinse erfasst. Was besser ist, lässt sich schwer sagen, das ist wohl eher Geschmacksache. Das Speers Waler ist natürlich aufgrund seiner Größe und Gewichtes nicht gerade unkritisch was die Ausbalancierung bei einem Dobson anbelangt. Ich konnte jedoch bei meiner Konstruktion keine Nachteile feststellen.

    Der Einblick ist bei beiden Okularen gleich. Ohne Brille muss man schon recht nahe an die Augenlinse heran, um das ganze Gesichtsfeld überblicken zu können. Mit Brille ist nur die Hälfte des Gesichtfeldes einzusehen.
    Beide Okulare sind somit nur bedingt für Brillenträger geeignet. Die Augenlinse des Speers Waler ist fast doppelt so groß als die vom Nagler. Das macht natürlich auch den Einblick bei 12mm Augenabstand etwas angenehmer.
    Allerdings ist der Unterschied recht gering, ohne Brille fast gleich, mit Brille fand ich den Einblick am Speers Waler geringfügig besser.

    Die Okulare wurden an folgenden Objekten getestet: Mond, Jupiter, Kugelsternhaufen: M3, M13, Doppelsterne: Epsilon Lyrae, Epsilon Bootis, My Draconis, 17 Draconis und 20 Draconis. Zuerst kam der Mond an die Reihe, hier zeigte sich das beide Okulare nahezu gleichauf lagen. Beide hatten die gleiche Mittelschärfe und zeigten am Rand keine Unschärfen. Der Anblick des weißen Mondes war bei beiden identisch. Die Krater zeichneten sich scharf und kontrastreich vom Rest der Mondoberfläche ab. Einen Farbfehler konnte ich bei beiden Okularen nicht feststellen.

    Danach begutachtete ich die Randschärfe sowie die Größe des Gesichtfeldes. Bei den letzten 5% der
    Gesichtsfelder werden die Sterne in beiden Okularen verzeichnet und zu kleinen Kometen auseinander gezogen. Das Nagler hat das etwas hellere Bild, während das Speers Waler das größere Gesichtsfeld besitzt. Ich vermaß die Durchlaufzeiten von zeta Virginis, dieser Stern befindet sich praktisch am Himmelsäquator (Deklination -0° 35') und ist somit für die Berechnung des wahren Gesichtsfeldes bestens geeignet. Für das Nagler ergab sich ein Wert von 105 Sekunden, für das Speers Waler 122 Sekunden. Aus der Formel wahres Gesichtsfeld = Durchlaufzeit
    (Stern am äquator) / 239,3444 ergibt sich für das Nagler ein Gesichtsfeld von 0,44° (0° 26') und für das Speers Waler 0,51° (0° 31'). Der Wert des Naglers stimmt recht gut mit den aus den Daten errechneten Gesichtsfeld überein. Das Speers Waler besitzt das deutlich größere Gesichtsfeld und zwar fast 5' mehr als das Nagler.

    Die einzige Erklärung, das Speers Waler hat 7,5mm Brennweite! Das würde sehr gut zu den errechneten Daten passen. Somit ergibt sich folgende Tabelle:

    Daten

    7mm Nagler

    7,5mm Speers Waler

    Scheinbares Gesichtsfeld

    82°

    82°

    Vergrößerung (V) bei F=1200mm

    171x

    160x

    Austrittspupille (AP)

    1,2mm

    1,25mm

    Eye Relief

    10mm

    12mm

    Wahres Gesichtsfeld

    0,44°

    0,51°

    Unverbindlicher Preis

    ~ 200 Euro

    ~ 119 Euro

    Nachdem die Dunkelheit fortgeschritten war ging es an einige Doppelsterne, wobei 20 Draconis die härteste
    Nuss war (6m4, 6m6, 1.27"). Beide Okulare zeigten in Momenten guter Luftunruhe den Doppelstern mit Zwischenraum. Ich kontrollierte das ganze noch mit meinem 6mm TS SWM (200x). Alle anderen Doppelsterne wurden recht einfach von beiden Okularen getrennt, wobei der Anblick nahezu identisch war.

    Weiter ging es mit den beiden Kugelsternhaufen M3 und M13. Auch hier zeigten sich beide Okulare nahezu gleichauf. Der Hintergrund war bei beiden gleichmäßig dunkel bzw. dunkelgrau aufgrund des relativ hellen Himmelhintergrundes durch die schlechten Bedingungen. Dem Nagler könnte man die etwas bessere Transmission bescheinigen, da ich der Auffassung war, nach mehrmaligen wechseln der Okulare, etwas mehr Einzelsterne bei M13 bzw. die Körnigkeit von M3 etwas deutlicher hervortrat als beim Speers Waler. Der Unterscheid war jedoch sehr gering.

    Zum Abschluss kam noch Jupiter an die Reihe, der jedoch gegen 23 Uhr noch recht tief stand. Ich möchte betonen das beide Okulare keine Planetenokulare sind, da gibt es sicherlich bessere. Doch war der Anblick des Planeten bei beiden fast völlig identisch. 4 Monde, der große Rote Fleck, einige Details in den beiden äquatorbändern sowie ein weiteres Band südlich des südlichen äquatorbands waren deutlich erkennbar.

    Tabellarische Darstellung:

    Daten

    7mm Nagler

    7mm Speers Waler

    Mittelschärfe

    1

    1

    Kontrast

    1-

    2

    Randschärfe bei f/6

    1-

    1-

    Größe des Wahren Gesichtsfeldes bei F=1200mm

    1

    1

    Einblickverhalten mit/ohne Brille

    3

    2-

    Verarbeitung

    1

    1

    Nach diesem doch recht ausführlichen Test stand für mich fest, das beide Okulare nahezu gleichwertig gut sind. Zum Abschluss stellte sich natürlich die Frage ob der 2x so hohe Preis des Naglers gerechtfertigt ist; ich finde nein.